Die Woche im Spiegel von view

von Klaus Esterluß

Tod und Fußball gehen Hand in Hand. Zumindest in diesem Wochenrückblick. Ein alter Recke stirbt und ein Musiker macht es ihm nach. Ob sie jetzt wohl zusammen jammen, steht zu bezweifeln. Jammen lernen wird bald auch eine kleine Elite in Deutschland. Finanziert zum Großteil vom Bund. Wenn sie sich clever anstellt. Und wer als Musiker nach dem Jammen ein Pils im Supermarkt kaufen will, hat wohl auch weiterhin Pech. Es sei denn das Bundesland ist loyal. Auf ihre Loyalität hofft, vor allem wegen der technischen Schwierigkeiten in der vergangenen Woche: der Wochenrückblick.

Die Großen der Welt im Gedenken: Chirac, Bush, Putin.
(Bild: Berliner Morgenpost)

Sonntag, 06.06.2004

US-Soldaten haben ihr Leben gelassen, um Deutschland und Europa von der Hitler-Diktatur zu befreien, um uns Deutschen (...) einen Wiederaufbau in Freiheit und Demokratie zu ermöglichen. Das sagt Gerhard Schröder in einem Beitrag der Bild am Sonntag. Anlass ist der 60. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie, dem heute 24 Staats- und Regierungschefs aus 16 Nationen vor Ort gedenken. Es wird Flugstaffeln geben, Frankreichs Präsident Jacques Chirac wird Veteranen ehren, die Veranstaltung wird etliche Millionen Euro kosten. Schröder ist der erste deutsche Regierungschef, der zu den Gedenkfeierlichkeiten eingeladen worden ist.

Schauspieler und Präsident: Ronald Reagan (1911 - 2004).

Montag, 07.06.2004

In der Nacht von Sonntag auf Montag melden die Nachrichtenagenturen innerhalb weniger Stunden zunächst Sorge um Ex-Präsident Reagan, dann seinen Tod. Im Alter von 93 Jahren stirbt Ronald Reagan nach langer Krankheit. Der ehemalige Schauspieler war 1981 zum 40. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden. Er blieb auf diesen Posten bis 1989. Die wichtigste Rede seines Lebens hielt er am 12. Juni 1987 in Berlin: Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor - Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder.

Ab 2006 in Deutschland: Elitenförderung.
(Bild: University of Minnesota)

Dienstag, 08.06.2004

Also doch. Bund und Länder haben sich auf ein Förderprogramm deutscher Elite-Universitäten geeinigt. Ab dem Jahr 2006 sollen jährlich 380 Millionen Euro für die Förderung elitärer Bildungsstätten bereitgestellt werden. Das Programm ist auf fünf Jahre ausgelegt und hat damit ein Gesamtvolumen von 1,9 Milliarden Euro. Universitäten und Wissenschaftsbereiche sollen in einem Wettbewerb um die Finanzmittel konkurrieren. DSDS - Deutschland sucht die Superuni.

20 Uhr ist nicht zu früh: Das Ladenschlussgesetz.
(Bild: n-tv)

Mittwoch, 09.06.2004

Das Bundesverfassungsgericht hat heute das Ladenschlussgesetz weitgehend bestätigt. Die Kaufhof AG, angeregt durch ihr Kaufhaus am Berliner Alexanderplatz, hatte auf eine Lockerung des Gesetzes geklagt. Sie fühlte sich benachteiligt, schließlich dürften die Geschäfte in Bahnhöfen und Tankstellen auch Sonn- und Feiertags zu unüblichen Uhrzeiten Waren verkaufen. Das Bundesverfassungsgericht wälzte die Entscheidung auf die Länder ab. In deren Entscheidungsgewalt solle liegen, ob der Ladenschluss gelockert würde oder nicht. Zur Not klebt man, wie der Berliner Kaufhof, Schilder in die Auslagen, auf denen Berliner Souvenirs zu lesen steht. Souvenirs dürfen schließlich.

Auch die Großen müssen gehen: Ray Charles.

Donnerstag, 10.06.2004

Am heutigen Abend stirbt, 73-jährig, die US-Soullegende Ray Charles in Kalifornien. Der im Kindesalter erblindete Sänger ist unter anderem für Songs wie I Can't Stop Loving You und Georgia on My Mind bekannt.

Nackt für den Titel: Die russischen Spielerfrauen.
(Bild: Berliner Morgenpost)

Freitag, 11.06.2004

Kurz vor der Europameisterschaft scheiden sich die Geister ob der üblichen Frage nach Sex vor, während, nach oder wahlweise bei den Spielen und dessen Auswirkungen auf die Form der Akteure. Kann der durchschnittliche Balltreter noch den Ball treten, wenn er mit anderen Bällen gespielt hat? Eine Patentlösung für dieses koitale Problem gibt es nicht. Die Kroaten zum Beispiel dürfen. Sie dürfen aber nicht akrobatisch werden. Die Deutschen dürfen nicht. Die Franzosen genauso wenig. Zu anstrengend sei das. Die russische Zeitung komsomolskaja prawda war vergleichsweise kreativ. Weil die Russen womöglich auch nicht dürfen, haben sich in der Tageszeitung die Spielerfrauen der russischen Nationalspieler enthüllt. Die Fotos können die Jungs in ihren Hotelspind hängen und sich motiviert fühlen. Auch ohne akrobatischen Koitus.

Irgendwo da ist Fußball: Europameisterschaft in Portugal.

Samstag, 12.06.2004

Und wo wir gerade vom Fußball sprechen. Heute beginnt die Europameisterschaft in Portugal. Im Eröffnungsspiel verliert der Gastgeber gegen Griechenland mit 2:1. Die Deutsche Mannschaft spielt erstmals am kommenden Dienstag gegen die Niederlande. Hiermit lässt sich der Autor auf einen Tipp ein. Er behauptet, das die Deutsche Mannschaft in der Vorrunde scheitert. Und wenn nicht, kommt sie ins Finale. Ist doch immer so. Das war knapp.