Die Woche im Spiegel von view

von Klaus Esterluß

Keine Woche ohne Hochzeit. Diesmal darf der spanische Thronfolger. Das Volk steht konsequent dahinter. Es jubelt erst und jammert dann über einen ausbleibenden Kuss. Vermutlich würde Gesine Schwan die Welt in Grund und Boden knutschen, würde sie zur Bundespräsidentin gewählt. Wird sie sicher nicht, auch wenn das Volk diese Idee brauchbar fände. Leipzig ist in etwa so traurig, wie die Spanier wegen des Kusses. Nur aus anderen Gründen. In den eigenen Popo beißt sich eventuell ein gewisses Konsortium, während ein gewisser Politiker eine Watschen bekommt. Gänzlich gewaltfrei bleibt: Der Wochenrückblick.

Glaubt an die nicht vorhandene Chance: Gesine Schwan.
(Bild: Europa-Universität Viadrina)

Sonntag, 16.05.2004

Würde das Volk wählen dürfen, wüsste es, welchen Bundespräsidenten es wollte. Eine Bundespräsidentin will es, und die heißt Gesine Schwan. Laut einer Emnid-Umfrage würden 40 Prozent der Regierungskandidatin ihre Stimme geben. 38 Prozent bevorzugen den Vorschlag der Union, Horst Köhler. Weil beide Kandidaten im Volk unbeschriebene Blätter sind, liegt Schwan wohl vor allem wegen ihrer ständigen Medienpräsenz vorn. Die Frau macht Wahlkampf. Wenn es irgendwo das Gesicht in die Kamera zu halten gilt, macht Horst die Tür zu und Gesine ihre bereitwillig auf. Sie wird nicht müde auf ihre Chance zu pochen. Haben wird sie diese aber kaum. FDP und Union haben in der Bundesversammlung, die am Sonntag die Nachfolge Johannes Raus bestimmt, eine klare Mehrheit. Das weiß Frau Schwan. Herr Köhler auch. Und das Volk sowieso. Wozu der Aufriss?

In Norddeutschland reift die Elite: Die Retter der Maut?
(Bild: Berliner Morgenpost)

Montag, 17.05.2004

Man sollte die PISA-Studie noch mal kontrollieren. Zum einen ist es ein einheimischer Schüler, der den Internetwurm Sasser programmiert hat. Zum Anderen lösen drei Schüler bei Jugend forscht das bundesdeutsche Konsortiumsproblem Toll Collect. Sollte uns zu denken geben, dass beide innovativen Parteien aus dem Norddeutschen Raum kommen? Helge Stobrawe, André Kreis und Tim Gosche (im Bild v. l. n. r.) heißen die drei Bremer Mautproblem-Löser. Das Thema Maut kam ständig in den Medien, deshalb wollten wir etwas dazu machen, erläutert André Kreis. Nur knappe drei Wochen dauerte es, bis ihr Digitales Verkehrsüberwachungssystem fertig war. Es basiert auf drahtloser LAN-Technik: Der Lastwagen wird mit einer so genannten Black Box ausgestattet, in der das Kennzeichen gespeichert ist. An den Autobahnen werden Funkbaken installiert, die ihre Daten an einen Zentralrechner weiterleiten. Fährt der Lkw nun an einem solchen Kontrollpunkt vorbei, sendet die Black Box das Kennzeichen. Je nachdem, wie viele der Kontrollpunkte der Lkw passiert, summieren sich die Gebühren. Damit gewannen die Zwölftklässler den Wettbewerb. Ihr Sieggeld beträgt 250 Euro. Ihr ganzes System kostete 1.300 Euro. Die Ideen des Konsortiums waren etwas teurer. Das billige funktioniert.

Muss ohne Sportskanonen aus aller Welt auskommen: Leipzigs Hauptbahnhof.
(Bild: www.bund.de)

Dienstag, 18.05.2004

Wenn das Internationale Olympische Komitee (IOC) die entgültigen Bewerberstädte für ausstehende olympische Spiele auswählt, kommen fünf der Vorbewerber in die engere Wahl. So auch heute, da die Spiele für das Jahr 2012 zur Debatte stehen. Paris, Madrid, London, New York und Moskau heißen die fünf Städte mit Hoffnung auf die Ausrichtung. Sie haben in den elf zu prüfenden Kriterien am Besten abgeschnitten.

Der Grund für das Ausscheiden war definitiv, dass die Stadt zu klein für Olympia ist, sagte Jaques Rogge, Präsident des IOC. Die kleine Stadt heißt Leipzig. Sie kam auf Platz sechs der Städteliste. Schade.

Die Bild nennt ihn Prügel-Pauker: Jörg Ammoser.

Mittwoch, 19.05.2004

Passiert ist es eigentlich schon gestern Abend. Weil der Kanzler im Laufe dieser Woche beschließen wird, Anzeige zu erstatten, muss die Meldung sein: Ein Arbeitsloser Lehrer (52) hat Gerhard Schröder bei einer SPD-Wahlveranstaltung in Mannheim geohrfeigt. Sicherheitspersonal überwältigte den Mann. Der Kanzler selbst bot seine rötlich verfärbte Wange trotzdem dem Auditorium feil. In einigen Tagen wird der Ohrfeiger Jens Ammoser im Privatfernsehen Interviews geben und seine Geschichte erzählen. Ganz Explosiv, versteht sich. Andy Warhol hat wieder einmal recht behalten.

Papis Transportmittel Nummer Eins am Vatertag: Der Bollerwagen.

Donnerstag, 20.05.2004

Der Himmelfahrtstag wird manchmal als Vatertag oder Herrentag bezeichnet. Anders als beim Muttertag gibt es hier jedoch in der Regel keine Geschenke. Viele erwachsene Männer ziehen mit Handkarren und Alkohol durch die freie Natur. Das steht im Handbuch Deutschland, einem Werk für ausländische Mitbürger. Herausgegeben von der Bundesregierung. Der Tag ist heute. Immer wieder erstaunlich, wie viele Jungmänner schon Vater sind. In diesem Sinne: Prost.

Muss zurück. Und zwar schnell: Harald Schmidt.

Freitag, 21.05.2004

Man muss im Grunde genommen wissen, dass das Folter ist. Sonst denkt man Benetton, oder es ist eine Weihnachtsfeier in einer Werbeagentur. Die Sätze stammen von Harald Schmidt. Der Mann in der Kreativ-Pause ist zurück und unterhielt etwa 800 Zuschauer im Kölner Museum Ludwig. Während sich seine Nachfolgerin bei Sat1, Anke Engelke, an einem für sie unpassenden Format die Karriere versaubeuteln lässt, ist der alte Zyniker Schmidt so gut, als wäre er nie weg gewesen. Abgucken, Anke.

Der Kuss geht daneben: Kronprinz Felipe trifft nur die Wange.
(Bild: Spiegel Online)

Samstag, 22.05.2004

Schon wieder heiratet ein Thronfolger. Diesmal der spanische. Eine Journalistin. Geht den Adligen Herren die standesgemäße Weiblichkeit aus? An diesem Morgen haben hunderttausende Rentner vor allem ein Problem: Gehe ich auf den Markt, Gemüse kaufen, oder bleibe ich hungrig zuhause und gucke Heiraten, weil's so schön ist? Viele entscheiden sich für letzteres. Die Mägen knurren. Und dann knutschen die nicht mal. So was!