Die Woche im Spiegel von view

von Klaus Esterluß

Manchmal hat Mutti es gut. Dann dämmert es Mann und Kind, dass Mutti auch mal bedacht werden sollte. Mit Blümchen zum Beispiel. Oder einem Tag außerhalb der Küche. Sie kann den Dreck vom an das Bett gebrachten Frühstück schließlich auch am nächsten Tag spülen ... Das war ironisch gemeint. Ganz und gar nicht ironisch meint der Kanzler seine Worte zur ILA-Eröffnung. Richtig mutig und auch unironisch hat sich Hans Eichel in dieser Woche gebärdet. Inwieweit eine königliche Vermählung Ironie begründet, bleibt Ihrem Empfinden überlassen. Überlassen werden wir Sie nun dem Wochenrückblick. Ganz ohne Ironie, versteht sich.

Mutti weg vom Herd: Muttertag.
(Bild: c-schulz.de)

Sonntag, 09.05.2004

Ich hoffe, Sie haben ihrer Frau Mama zum Ehrentag gratuliert? Muttertag ist auch nur einmal im Jahr. Auch wenn Ihre Erzeugerin sicher nicht im Kremserwagen mit Fassbier und laut johlend durch die Welt gezogen ist - wie Papis es am Vatertag zu tun pflegen - heißt es nicht, dass sie nicht zu feiern verstehen. Blümchen sind Pflicht.

Keine Blümchen, aber alkoholhaltiges Brauwerk, haben die Fußballer von Werder Bremen bekommen. Sicher zur Genüge. Mit erhöhtem Bierfluss folgte die Gewissheit, eine Meisterschaft gewonnen zu haben. Die Deutsche, im Fußball. Auch ein Grund zum Feiern. Lesen Sie dazu die Bremen-Betrachtungen unseres Kollegen Jürgen Wutschke. Am besten auch laut vor. Ein besseres Muttertags-Präsent gibt's nicht.

Auch das kann fliegen: ILA 2004.
(Bild: Team Delta)

Montag, 10.05.2004

Die Autobahnen rund um Berlin, besonders im Dunstkreis des Flughafen Schönefeld, werden in dieser Woche besser ausgelastet sein als sonst schon. Grund dafür ist die Luftfahrtmesse ILA. Auf den Landstraßen um den Flughafen Schönefeld herum wird man Autos stehen sehen, aus denen verdutzte Gesichter gen Himmel starren. Schon erstaunlich, zu welchen Flugmanövern in Bodennähe Jumbojets in der Lage sind. Drin sitzen möchte man nicht. Bundeskanzler Gerhard Schröder hofft auf eine weitere Stärkung der deutschen Luft- und Raumfahrt. Das hat er auf der ILA verlauten lassen. Die Branche sei eine starke, zukunftstaugliche Industrie. Sieht man am Himmel über Schönefeld. Jetzt nur nicht abstürzen.

Wagt den Sprung ins kalte Wasser: Eichel.
(Bild: Spiegel Online)

Dienstag, 11.05.2004

Das Deutschland gern mal gegen den Stabilitätspakt der Europäischen Union verstößt, ist nichts Neues. Das gab es in den vergangenen Jahren häufiger. Wenn Finanzminister Hans Eichel bisher immer steif und fest behauptete, den Pakt einhalten zu können, geht er neuerdings andere Wege. Er kündige vor seinen EU-Kollegen einen erneuten Verstoß für 2005 an. Das ist neu, das ist spannend, das ist modern. Daran sollte sich die Welt ein Beispiel nehmen. Leugnen nützt nichts. Angriff ist die beste Verteidigung. Ein Hoch auf Hans.

Mittwoch, 12.05.2004

Der Mittwoch Morgen bringt Bilder, die dem Morgenmagazin-Zuschauer das Frühstück abgewöhnen können. Fünf maskierte irakische Aufständische verlesen eine Erklärung. Vor ihnen kniet ein entführter US-Amerikaner. Als der Hauptredner der Gruppe ein Messer zückt, brechen die Bilder ab. Wir können Ihnen die Bilder nicht vollständig zeigen. Sie sind zu grausam, sagt die Sprecherin mehrfach an diesem Morgen. Der Amerikaner wird enthauptet. Dieser Mord soll als Reaktion auf die Folterungen amerikanischer und britischer Soldaten im Irak verstanden werden. Was zu erwarten war.

Indiens Neue: Sonia Gandhi.
(Bild: Sonia Gandhi Online)

Donnerstag, 13.05.2004

Sie kennen die Kennedys? John F., Robert usw. Eine ganze Familie in der Politik. Bei den Bushs ist es fast genauso. Papa George, Sohn George W. und diverse Verwandte machen irgendwie auch in Politik. So etwas nennt man wohl Dynastie. Ähnliches gibt es auch in Indien. Da heißen die Kennedys Gandhi. Sonia Gandhi hat mit der Kongresspartei die Parlamentswahlen gewonnen. Sie ist die Witwe des 1991 ermordeten Premiers Radjiv Gandhi. Dessen Mutter Indira Gandhi war ebenfalls indische Premierministerin. Außerdem ist Sonia Gandhi erster ausländischer Premier. Sie wurde in Italien geboren. Ihr Sohn Rahul ist ebenfalls in der Politik. Der Wahlsieg kam überraschend. Bis zuletzt hatten Umfragen und Nachwahlbefragungen einen deutlichen Sieg der bisherigen Regierungspartei BJP vorhergesagt.

Der Prinz und sein Weibchen.
(Bild: Yahoo! Nachrichten)

Freitag, 14.05.2004

Wenn das deutsche öffentlich-rechtliche Fernsehen einige Stunden Sendezeit freiräumt, den orangen Schriftzug Royal in eine untere Ecke schreibt und Society-Experten interviewt, ist irgendwo Hochzeit. Natürlich nicht die von Frau Schmidt und Herrn Müller aus dem dritten in Ihrem Haus. Das wäre zu poplig. Es muss schon etwas königlicher sein. Diesmal in Dänemark. Kronprinz Frederik und Mary Donaldson, eine bürgerliche Australierin, geben sich das Jawort. Kostet Millionen und bringt dem Zuschauer per se nichts. Aber der Prinz hat Tränen der Rührung vergossen. Als er seine Braut im Kleid sah. Das prinzliche Augen-Pipi war der Bild eine Titelseite wert. Herr Müller hätte sicher auch geheult. Oder sich ein Dosenbier aufgemacht. Vor Rührung. Das trennt den Hochadel vom Proletariat. Prost.

Hat sich wieder lieb: Hertha BSC Berlin.
(Bild: Berliner Morgenpost)

Samstag, 15.05.2004

Es muss einen Fußballgott geben. Hertha BSC Berlin hat den Klassenerhalt geschafft. Damit schließen wir die Fußball-Schere in diesem Wochenrückblick. Meisterfeiern gehen auch im kleinen Rahmen. In Berlin.