Die Woche im Spiegel von view

von Klaus Esterluß

Europa wird größer, die Menschen werden älter. Benzin wird teurer, der Kanzler unglücklicher und die Fußball-Nationalmannschaft peinlicher. Wenn das Schloss Bellevue nun auch noch schöner wird als Pitt & Aniston, kommen wir aus den Superlativen nicht mehr raus. Hat auch was für sich. Superlativisch ist - Sie wundern sich nicht, geneigte Leser: der Wochenrückblick. Jetzt noch bunter.

Könnte in Treptow leben.

Sonntag, 25.04.2004

Wenn Sie, liebe Leser, keine Sorgen bezüglich Ihrer Rente haben und noch einige Jährchen länger leben wollen als der Durchschnitt, müssen Sie vielleicht umziehen. Laut des Sozialatlas haben die Berliner in den Bezirken Wilmersdorf und Treptow die höchste Lebenserwartung. Erstaunliche 82,5 Jahre werden Frauen im Bezirk Treptow durchschnittlich alt. Männer etwas weniger. Die Lebenserwartung unterscheidet sich bis zu fünf Jahre je Bezirk. Früher als alle anderen beißen die Kreuzberger ins Gras. Ist auch logisch. Wer sich am 1. Mai in den falschen Straßen bewegt, segnet gern mal vorzeitig das Zeitliche. Näheres später. (Quelle: Berliner Morgenpost)

Hat gerade wenig Spaß am Auto: Schröder.
(Bild: dpa/n-tv online)

Montag, 26.04.2004

Der Autor besitzt ein Auto. Dieser Tage wünschte er, es nicht zu besitzen. Denn einen PKW zu fahren bedeutet zwangsläufig tanken zu müssen. Der Autor tankt Normalbenzin und zahlt 1,15.9 Euro für den Liter. Teurer war es in Berlin noch nie. Super kostet zwei Cent mehr. Sogar dem Autokanzler ist das zuviel. Schröder appelliert eindringlich an Scheichs und OPEC. Solange der Wert des Dollar steigt, klettern auch die Benzinpreise. Ein Barrel Rohöl kostet derzeit zwischen 34 und 37 Dollar. 40 können es noch werden. Wenn es sich der Autor leisten könnte, würde er Bus und Bahn fahren. Ihre Chance, Herr Mehdorn. (Quelle: Spiegel Online)

Mag den Kanzler nicht besonders: DGB Chef Sommer.
(Bild: Katholische Arbeitnehmer-Bewegung online)

Dienstag, 27.04.2004

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mag den Kanzler nicht. Darum erhielt Gerhard Schröder keine Einladung zu den Kundgebungen am 1. Mai. Eine Sprecherin des DGB begründete diesen Schritt mit dem derzeit angespannten Verhältnis. Aus Regierungskreisen hieß es, der Kanzler hätte aus terminlichen Gründen so oder so nicht an den Kundgebungen teilnehmen können. Stimmt, Schröder weilt am Tag der Arbeit in Dublin. Dort werden die neuen EU-Mitglieder begrüßt. Wäre auch tragisch, wenn der Kanzler mal einen Tag frei hätte. Glück gehabt. (Quelle: Berliner Morgenpost)

Heulen hilft nicht. Paul Freier (Bochum) im Dress der Nationalmannschaft.
(Bild: Berliner Morgenpost)

Mittwoch, 28.04.2004

Die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft spielt Fußball. Besser: Sie versucht es. Immerhin haben sie sich mit der Simulation dessen den Vize-Weltmeistertitel ergaun... nein, erspielt. Und hätte der Oli nicht im Finale gegen Brasilien gepatzt, wer weiß? Jener Oli hat heute viermal hinter sich greifen müssen. Ein fünftes Mal dann der Ersatzkeeper. Wie hieß er? Hildebrand? Die DFB-Elf traf einmal. Das Ergebnis heißt somit 5:1 für Rumänien. Parallel verliert die Eishockey-Nationalmannschaft mit dem gleichen Ergebnis gegen Tschechien. Im Vergleich zum Fußball war das aber ein ansehnliches Spiel. (Quelle: Berliner Morgenpost)

*lechtz* Opfer der Begierde: Pitt und Aniston.

Donnerstag, 29.04.2004

Brad Pitt ist der schönste Mann. Seine Gattin Jennifer Aniston mimt das weibliche Pendant. Sagt das People-Magazin in den USA und trifft damit vermutlich den Massengeschmack. view findet seine Redaktion auch ganz ansehnlich. Aber uns kennt das People-Magazin auch nicht. Ha! (Quelle: Spiegel Online)

Die Tischnachbarin des Ministers: Iris Berben.

Freitag, 30.04.2004

Ist der Joschka Fischer gerade zu haben? Der Außenminister hatte Iris Berben an seiner Seite. Sie stellte seine Tischdame beim Abschiedsessen im Schloss Bellevue dar. Weil am 24. Mai, nach der Bundespräsidentenwahl, das Schloß und damit der Sitz des Staatsoberhauptes zu einer Großbaustelle wird, lud Präsident Johannes Rau zu einem Auf-Wiedersehen-Dinner. Theoretisch zumindest. Offizieller Anlass war die Antisemitismuskonferenz in Berlin. 45 Kellner bedienten 150 Gäste an 19 Tischen. Drumherum standen Rosen, Nelken und anderes Unkraut. Schön muss es gewesen sein. Schließlich war Iris da. Der Joschka allein macht nicht mehr soviel her. (Quelle: Berliner Morgenpost)

Die neue Ostgrenze der EU führt durch Zypern.
(Bild: www.kerstinullrich.de)

Samstag, 01.05.2004

Punkt Null Uhr knallten auf der Stadtbrücke Frankfurt/Oder die Sektkorken. Was aussah wie Silvester, war die Begrüßung Polens in der EU. Der polnische Außenminister Wlodzimierc Cimoszewicz traf auf seinen deutschen Amtskollegen Joschka Fischer, Händeschütteln, Prösterchen, Feuerwerk angucken. Entsprechend der Mitternacht, knallten die Korken weiter östlich auch schon früher. Zehn neue Staaten sind damit der Europäischen Union beigetreten: Polen, Tschechien, Ungarn, Estland, Lettland, Litauen, Slowakei, Slowenien, Malta und der griechische Teil Zyperns. Außerhalb der EU in Urlaub zu fahren wird dadurch ungleich schwieriger. Was der Beitritt wirtschaftlich bringt, bleibt abzuwarten. Die Pyrotechnik-Unternehmer haben jedenfalls gut verdient. Darf gern so bleiben. (Quelle: Spiegel Online)