Die Woche im Spiegel von view

von Klaus Esterluß

Sonntag, 04.04.2004
Der spanischen Polizei gelingt heute, drei Wochen nach den Anschlägen von Madrid, ein entscheidender Schlag gegen die vermuteten Täter. Fünf von ihnen zogen den Freitod einer Verhaftung vor und sprengten sich in einem Appartement in die Luft. Die Polizei fand neben den Leichen auch Sprengstoff und Zünder. Unter den Selbstmördern befinden sich der spanische Terrorchef Sarhane Ben Abdelmajid Fakhet sowie dessen Nummer zwei, der Marokkaner Jamal Ahmidan. Damit sei der Kern der Gruppe, die die Anschläge ausführte, [...] entweder in Haft oder bei dem Selbstmord ums Leben gekommen, hieß es von Seiten des spanische Innenministers Angel Acebes. (Quelle: Morgenpost)
Montag, 05.04.2004
Gehörig auf den Keks dürfte US-Präsident George W. Bush der radikale Schiitenprediger Muktada al-Sadr gehen. In seinen Osterurlaub wird er trotzdem fahren. Und er wird 40% seiner bisherigen Amtszeit im Urlaub verbracht haben. Nach Ostern. Al-Sadr kümmert das wenig. Er initiiert einen Aufstand der Schiiten und beschert den Amerikanern damit womöglich ein neues Vietnam. Festnehmen wollen ihn die Amerikaner. Das wird schwierig. Drei Städte haben die Rebellen unter der Führung des Schiiten in ihrer Gewalt. Al-Sadr sitzt in einer Moschee in Kufa. Das zumindest wissen die Besatzer. Bush wird Ostereier suchen. Womöglich blutrote. (Quelle: Spiegel Online)
Dienstag, 06.04.2004
Die Haare liegen wie festbetoniert. Sie erstrahlen in einer Farbe, die sich mancher 60-jährige wünschen würde. Das freut den Kanzler. Er wird heute 60 und flaniert mit Gattin Doris durch Italien. Glaubt man nicht, ist aber so. Kohl sah mit 60 nicht mehr so frisch aus. Lag bestimmt am Saumagen. So was isst der Schröder nicht. Sogar die Konkurrenz aus der Opposition hat lindere Töne angeschlagen und gratuliert artig. Schröder kann jetzt der SPD-Arbeitsgemeinschaft 60-plus beitreten. Vielleicht auch Vorsitzender werden. Er hat ja jetzt Zeit. (Quelle: Spiegel Online)
Mittwoch, 07.04.2004
Es hat sich ausgeulkt. Schade für die Berliner Journalisten, die manchmal Spaß bei Pressekonferenzen hatten. Stadtentwicklungssenator Peter Strieder tritt wegen der Tempodrom-Affäre zurück. Sein Nachfolger heißt Ingeborg Junge-Reyer. Hoffentlich ist die bisherige Staatssekretärin auch ein bisschen lustig. (Quelle: Morgenpost)
Donnerstag, 08.04.2004
Das statistische Bundesamt belegt, dass in Deutschland immer weniger Kinder geboren werden. Was soll man mit solchen Teppichratten (Ingo Appelt)? Die schreien, machen Dreck und sind in der Pubertät unausstehlich. Besonders die Kinder der anderen. Noch nie sind in Deutschland weniger Kinder geboren worden als im vergangenen Jahr. 715.000 haben das Licht der Welt erblickt. Dagegen haben 858.000 Menschen das Zeitliche gesegnet. Wird Zeit, dass wieder Winter wird. Damit Mutti und Vati wieder Gefallen am kuscheligen Bettchen finden. Irgendwo muss die Rente herkommen. Halten Sie sich ran, geneigte Leser. (Quelle: Spiegel Online)
Freitag, 09.04.2004
Die Bronx hat einen beachtlichen Rekord gemeldet: Neun Tage lang hat es in dem New Yorker Bezirk keine einzige Schießerei gegeben. Das ist die längste schießfreie Periode innerhalb eines Jahrzehnts, schreibt die New York Daily News. 1994 hat die Bronx im gleichen Zeitraum noch 30 Schießereien mit zwölf Toten erlebt. 2001 waren es zwanzig Prozent weniger. 2004 nun also keine. Für neun ganze Tage. Kein Wunder, sind ja auch alle im Irak. Feuer frei. (Quelle: Morgenpost)
Samstag, 10.04.2004
Weil ja Ostern ist und Millionen Menschen traditionell ihre Eier färben, dachte sich ein findiger Hühnerzüchter namens Johannes Müller: Färb ich doch die Küken. So verkauften die Nachrichten am heutigen Tag das Thema. Die Küken sind zwar wirklich bunt, haben aber mit Ostern nur peripher zu tun. Die Geflügelkolorierung hat familiäre Gründe. Damit Züchter und Mutterhuhn ihren Nachwuchs auch unterscheiden können, färbt Müller den Inhalt der unausgeschlüpften Eier mit Lebensmittelfarbe ein. Sieht seltsam aus, ist im Ergebnis aber ziemlich possierlich. Ein Bild dazu findet sich unter dem Link. Nach der ersten Mauser verlieren die Küken ihr buntes äußeres. Schaden nehmen sie bei der Prozedur nicht. Blau, rot und grün stehen zur Auswahl. (Quelle: 3sat.online)