Die Woche im Spiegel von view
- Sonntag, 28.03.2004
- X-43A heißt ein Projekt der US-Weltraumfahrbehörde Nasa. Das knapp dreieinhalb Meter lange Fluggerät hat einen neuen Rekord im Schnellfliegen aufgestellt. 7.700 km/h hat es geschafft und ist etwa sechs Minuten in der Luft geblieben. Danach versank es plangemäß im Ozean. Ein Pilot war nicht an Bord. Dem wäre wohl weder das Eintauchen noch der Flug besonders gut bekommen. Bei solchen Geschwindigkeiten, immerhin siebenfache Schallgeschwindigkeit, hätte er wohl binnen kürzester Zeit die Form seines Sitzes angenommen. Ein Langstreckenbomber hatte das kurze Flugzeug huckepack in den Himmel gehievt. Es soll in Zukunft für den Transport von Lasten ins All verwendet werden können. Oder aber die Erde binnen weniger Stunden umkreisen. Ist es Super-Grobi? Ist es ein Flugzeug? Nein, es ist X-43A. Ein Schelm, wer dabei nicht an militärische Verwendung denkt. (Quelle: Morgenpost)
- Montag, 29.03.2004
- Jetzt auch noch die Iren. Weil ihnen die Gesundheit der Pub-Bediensteten am Herzen liegt, herrscht auf der Insel ab heute striktes Rauchverbot in den Bier- und Whiskeyhöllen. Sogar in die eigenen vier Wände hält dieses Verbot Einzug. Wenn der Kammerjäger eine lästige Rattenplage vergiftet oder der Schornsteinfeger Ruß einatmet, darf der Hauseigentümer nicht mehr am Glimmstängel ziehen. Aber immerhin saufen dürfen die Iren noch. Und das können sie: Das Land belegt Platz drei unter den weltweiten Alkoholvernichtern. (Quelle: Spiegel Online)
- Dienstag, 30.03.2004
- Als der Autor am heutigen Morgen am Potsdamer Platz im Stau steht, fährt an ihm eine
gepanzerte, große Limousine vorbei. Auf deren Rückbank sitzt Otto Schily und guckt sich den Stau um
ihn herum an. Das Auto ist schwarz, die Menschen auf den beiden vorderen Plätzen tragen
entsprechende Kleidung. Otto Schily ist auf dem Weg zur Afghanistan-Konferenz, die heute und morgen
im Berliner Hotel
Intercontinental
stattfindet. Er muss da hin, er ist Innenminister. Der Autor hat Verständnis dafür. Es wird über finanzielle Hilfe für das Land gesprochen werden. Deutschland wird solche zusichern. Im Rahmen der Konferenz wird außerdem Afghanistans Präsident Hamid Karsai wegen seines Kleidungsstils gelobhudelt werden. Außerdem muss der Opiumhandel - immerhin der florierendste Wirtschaftszweig der jungen Republik - gestoppt werden. Mohnblumen für alle. Die sehen ja auch hübsch aus. (Quelle: Spiegel Online) - Mittwoch, 31.03.2004
- Das war ein Fest für die Bild-Zeitung. Die Wunderkicker von Bern, gedopt! Was ein
Frevel. Tour de France-Skandal? Ben Johnson? Alles Pillepalle. Das investigative ARD-Magazin
Report
hat es aus dem ehemaligen Berner Platzwart Walter Brönnimann herausgekitzelt. Pünktlich zum 50. Jahrestag des Wunders und Gewinns der Weltmeisterschaft. Die Helden, Rahn, Walter, Schäfer, Eckel. Alle, die ganze Bande, haben sich Kanülen eingepfiffen, in denen eine merkwürdige Substanz war. Brönnimann hat sie gefunden. Glücklicherweise lebt der alte DFB-Mannschaftsarzt Franz Loogen (84) noch. Der sagt nämlich, es sei Vitamin C gewesen. Und nicht bibaböses. Das sei üblich gewesen damals. Na bitte. Millionen Deutsche hauen sich jeden Morgen Vitaminpillen rein und sind auch nicht gedopt. Andererseits ... Denken wir an Dieter Baumann: Der hatte seine Helferlein angeblich in der Zahnpasta. Cheers, meine sehr verehrten Damen und Herren. - Donnerstag, 01.04.2004
- Die Rheinische Post meldete an diesem Tag, Bundesumweltminister Jürgen Trittin hätte genug von der leidigen Sommerzeit-Umstellerei. Das Jetlag ist ja auch fies. Darum habe er sie abgeschafft. Am kommenden Wochenende sollen darum die Uhren wieder in den Normalzustand (Winterzeit) versetzt werden. Der Artikel sah glaubhaft aus. War aber eine Ente. Wie so viele an diesem Tag. Wir schreiben den ersten April. Ey, Sie da! Ihr Schuh ist offen. Ein klassischer Brüller, nicht wahr?
- Freitag, 02.04.2004
- Eigentlich ist er ein lustiger Typ. Ein Sympath. Bei Pressekonferenzen mit ihm gibt es
immer etwas zu lachen. Berlins SPD-Chef und Stadtentwicklungssenator Peter Strieder hat im
Augenblick wenig zu lachen. Weil der unlustige Immunitätsausschuss eine Empfehlung aussprach, folgte
das Berliner Parlament und entzog dem lustigen Strieder die Immunität. Das heißt, die
Staatsanwaltschaft kann gegen ihn ermitteln. Das macht sie sowieso schon. Weil gegen Strieder
der Verdacht der Untreue und Vorteilsnahme im Zusammenhang mit der Finanzierung des Berliner Kulturzeltes Tempodrom und wegen Unregelmäßigkeiten bei der Parteienfinanzierung
besteht. Nicht lustig. (Quelle: Morgenpost) - Samstag, 03.04.2004
Systemwechsel
,Der neoliberale Wind weht gegenwärtig durch alle Stuben der Republik
,Aufstehn, damit es endlich besser wird!
,klares Signal an die Herrschenden
,Not macht kriminell
,Wenn diese asoziale Politik nicht aufhört, dann kommen wir wieder!
,Noch nie ist eine Bundesregierung den Interessen der Unternehmen und Reichen so zu Diensten gewesen
. Alle Aussagen sind Fragmente des heutigen Aktionstages der Gewerkschaften, dem hunderttausende in Europa auf die Straße gefolgt sind. Der Sommer wird heiß. (Quelle: Morgenpost)