Die Woche im Spiegel von view

von Klaus Esterluß

Sonntag, 14.03.2004
Was ist denn mit dem Guido los? Der Chef der Ex-Spaßpartei FDP hat offenbar die Faxen vom Lieblingskoalitionspartner CDU dicke und spricht Merkels Mannen die Regierungsfähigkeit ab. In der Bild am Sonntag erklärte Westerwelle, dass schon zaghafteste Reformansätze wie beim Arbeitsmarkt in der Union zu selbstzerfleischendem Streit führen würden. Schwarz lackierte Sozialdemokraten sollen daran Schuld sein, Sozialexperte Horst Seehofer ist einer von ihnen. Sagt Westerwelle. Dem Schwimmen langsam die Felle davon. Weil die gelbe FDP nurmehr hellgelb ist und kaum zu Oppositionspartei taugt, geschweige denn zu einer Regierung, muss er laut werden, der Guido. Durch das derzeitige Umfragehoch der schwarzen Parteien droht die Bedeutungslosigkeit. Und Bedeutungslosigkeit macht unsexy. Das kann sich niemand leisten. (Quelle: Morgenpost)
Montag, 15.03.2004
Wenn Johannes Rau eines kann neben dem Bundespräsidenten-Job, dann wichtige Rede halten. In einem immer salbungsvollen Tonfall, leicht näselnd, als bekäme er den Mund nicht auf. Aber immer wichtig. Diesmal hielt er eigentlich eine Dankesrede zu Ehren seiner Ernennung zum Ehrenbürger Berlins. Er sei ein treuer Freund der Berliner, sagte er und das man lernen könne, Berlin zu lieben. Darum hat er mehr als einen Koffer in der Hauptstadt, wenn er als Bundespräsident denselben packen werde. Er stellte außerdem den Gedanken in den Raum: Warum ist es so, dass am Brandenburger Tor nur deshalb nicht das Licht ausgeht, weil ein Energiekonzern als Geldgeber einspringt? Die Frage ist metaphorisch für seinen Wunsch gemeint, Berlin nicht links liegen zu lassen, sondern die Hauptstadt zu einer bundesdeutschen Angelegenheit zu machen. Recht hat der Mann. Geld her, oder der Johannes wird böse. (Quelle: Morgenpost)
Dienstag, 16.03.2004
Ob der Papst weiß, wer Jim Caviezel ist? Zumindest hat dieser ihm heute die welke Hand geschüttelt und voller Ehrfurcht auf dem Boden gekniet. Die Zeit hat still gestanden, sagt Herr Caviezel. Der Mann ist Schauspieler und verkörpert den mächtig blutenden Heiland in Mel Gibsons Horrorvision The Passion of the Christ. Unansehnlicher, überdrastischer Film. Gute Werbung. Was zahlt man dafür? (Quelle: Spiegel Online)
Mittwoch, 17.03.2004
So warm war ein Frühlingstag in den letzten 130 Jahren nicht. 21 Grad Celsius in Berlin.
Donnerstag, 18.03.2004
Große Augen machte der Kanzler, als ihm bei der Eröffnung der CeBIT ein Roboter relativ aufdringlich vor die Flinte tanzte. Das kleine Männchen von Sony stellt eine der neuen Lustigkeiten im Unterhaltungselektronikbereich dar. Außerdem hat sich der Kanzler Neues aus den Bereichen Informationstechnik und Telekommunikation zeigen lassen. Bis Mittwoch nächster Woche zeigen 6.411 Aussteller aus 71 Ländern allerlei Spielerchen. Vielleicht ist ja auch ein hübsches neues Handy für die Gattin dabei. Die gibts inzwischen ja auch mit Schminkspiegel. Das macht gute Stimmung. Und die hat Schröder schon gespürt. Es geht aufwärts in Deutschland. (Quelle: Morgenpost)
Freitag, 19.03.2004
Es rumort im Kosovo. Die schwersten Ausschreitungen seit dem Ende des Krieges 1999 soll es geben. Mindestens 22 Menschen sind getötet worden, 500 wurden verletzt. Die Unruhen hatten am Donnerstag in der ethnisch geteilten Stadt Kosovska Mitrovica begonnen und später auf weitere Städte im Kosovo sowie in Serbien selbst übergegriffen. Um für Ruhe zu sorgen, wird die NATO 2.100 Soldaten in die Region senden. Darunter auch 600 Bundeswehrsoldaten. (Quellen: Spiegel Online, Morgenpost)
Samstag, 20.03.2004
Der Tag bringt die bahnbrechende Erkenntnis für unsportliche Menschen, die lieber im Park liegen, als herumzurennen. Joggen und Fußball machen nämlich im Alter doof. Das hat eine Studie aus Los Angeles herausgefunden. Bekanntlich ein Mekka für die inlineskatende Fraktion. Das macht zwar nicht schlauer, vermeidet aber Erschütterungen im Kopfbereich. Richtig schlau macht aber Schwimmen, sagt der Entdecker dieser wichtigen Nachricht Arnold Scheibel. Es verbessert den Kreislauf und die Sauerstoffversorgung des Hirns. Na dann. (Quelle: Morgenpost)