Die Woche im Spiegel von view

von Klaus Esterluß

Sonntag, 04.01.2004
Scherz oder nicht. Uns' aller Liebling und Popsternchen mit Geschäftssinn Britney Spears hat geheiratet und sich gleich wieder scheiden lassen. Geschehen im Vollrausch und in Las Vegas. Dort steht eine Drive-by-Kapelle, in der man, wie bei der Burgerbraterei seiner Wahl, schnell vorbei fährt, die Ringe und einen alkoholisieren Kuss tauscht und sich verheiratet nennen kann. Der geehelichte und verlassene Mann heißt übrigens Jason Alexander. Er ist ein Jugendfreund der jugendlichen Britney. Beide sollen, so die Erkenntnis einige Tage später, den heiratsfördernden Film The Texas Chainsaw Masscare gesehen haben, einen Klassiker des Horrorgenres, dessen Handlung sich im Wesentlichen aus zersägten Teenagern zusammensetzt. Schlimmer kann eine Ehe auch nicht sein, werden sich beide gedacht haben. Ob die Ehe eine Ehe oder nur ein PR-Gag war, werden wir wohl nie erfahren. View bittet Britney höflich um die Originalkassette des Films. Die kann man dann gewinnbringend bei ebay verhökern (Das Video, nach dessen Konsum Britney heiratete! RAR!). Trottel gibt es überall.
Montag, 05.01.2004
Nachdem die SPD am vergangenen Wochenende mit dem Gedanken spielte, mindestens eine Universität in Deutschland zu einer Eliteuniversität im Sinne der amerikanischen Stanford oder Harvard zu wandeln, kommen nun konkretere Ideen. Laut einem Thesenpapier, das bei einer Präsidiumssitzung der Partei in Weimar veröffentlicht wurde, soll die Berliner Humboldt Universität ein solcher Hort der Eliten werden. Oder DER Hort der Eliten. Wenn es denn nur eine dieser Bildungsstätten geben würde. Sagt jedenfalls die Berliner Morgenpost. Geld dafür soll aus den Einnahmen der reformierten Erbschaftssteuer kommen. Die Stanford University hat den gleichen Etat wie alle Berliner Universitäten und Fachhochschulen zusammengenommen. (Dr. Ulrich Schumacher, Vorstandsvorsitzender Infineon, auf www.changex.de) Da muss das alte Deutschland lange für stricken, sollte die Idee tatsächlich gegen den Widerstand beinahe aller Seiten durchgeboxt werden.
Dienstag, 06.01.2004
Wiedermal hat der - westlichen Genüssen durchaus nicht abgeneigte - Diktator Nordkoreas, Kim Jong-Il, den Verzicht seines Landes auf die Produktion von Atomwaffen und den Test solcher angeboten. Grund dafür mag der in die gleiche Richtung zielende lybische Vorstoß sein. Man will runter von der schwarzen Liste der Terrorismus unterstützenden Staaten. Weiterhin wolle man, so die amtliche Nachrichtenagentur KCNA, gänzlich auf die Nutzung von Atomanlagen verzichten. Das würde die zivile Nutzung von Kernenergie einschließen. Als Gegenleistung erwarte man eine Aufhebung militärischer und wirtschaftlicher Sanktionen. Die USA in Person des Außenministers Colin Powell nannte diese Ideen einen positiven und interessanten Schritt.
Mittwoch, 07.01.2004
Das die Mannschaft von Hertha BSC Berlin mies Fußball spielen kann, ist kein Geheimnis. Damit sie gut spielen kann, braucht sie die Unterstützung der Fans. Und damit die, ob der dürftigen Ergebnisse der letzten Monate, einerseits besänftigt werden und anderseits überhaupt noch zu Auswärtsspielen mitkommen, hat die Mannschaft beschlossen, die Busfahrt zu den verbleibenden acht Spielen in die fremden Stadien zu bezahlen. Alternativ hätten auch alle bis zum gesicherten Klassenerhalt auf ein Viertel ihres Gehalts verzichten können. So wird es sicher billiger, sind ja nur knappe 300.000 Euro. Und das Gehalt läuft weiter, auch wenn Hertha absteigt. Clever, die Jungs.
Donnerstag, 08.01.2004
Die Rundfunkgebühren sollen ab 1. Januar 2005 um 1,09 auf 17,24 Euro erhöht werden. Die ARD-Anstalten erhalten davon 0,66 Euro und das ZDF 0,46 Euro. Das DeutschlandRadio soll dagegen 0,03 Euro weniger bekommen.
Freitag, 09.01.2004
Dem irakischen Ex-Diktator Saddam Hussein wird der Status eines Kriegsgefangenen zugebilligt. Laut der Genfer Konvention von 1949 müssen Kriegsgefangene mit Menschlichkeit behandelt werden. Folter oder Vergeltungsmaßnahmen sind untersagt. Die Gefangenen haben einen Anspruch auf Achtung ihrer Person und ihrer Ehre. Dazu gehört auch, dass sie vor öffentlicher Zurschaustellung bewahrt werden. Für den bevorstehenden Prozess gegen Hussein bedeutet das eine Verhandlung vor einem regulären Militär- oder Zivilgericht. Damit geht es ihm, nicht nur rein rechtlich, besser als den Gefangenen in Cubas Guantanamo Bay. Mal abgesehen davon, dass er seine eigene Zelle ganz alleine schrubben muss.
Samstag, 10.01.2004
Es geschehen noch Zeichen und Wunder zum Wochenabschluss. Spar-Hans Eichel macht seinem Namen nun doch noch fast alle Ehre. Er hat nur 39 Milliarden Euro neue Schulden machen müssen, das sind 4,4 Milliarden weniger als erwartet. Die könnte man doch nun in die Elitenbildung stecken. Einen solchen Etat hat nichtmal Stanford. Oder Harvard. Oder doch?