Die Woche im Spiegel von view
- Sonntag, 07.12.2003
- Stell dir vor es ist Wahl, und keiner geht hin. Nur knapp die Hälfte der Russen hat nach
ersten Hochrechnungen den Gang zur Urne angetreten. Und ein Drittel dieser Hälfte stimmte für
Einiges Russland
, die Partei des Wladimir Putin. Das heißt fürs erste, dass knapp achtzig Prozent der russischen Bürger nicht für Putin gestimmt haben. Dumm nur, dass es anderen noch schlechter geht. Im Besonderen der einzigen echten Opposition im Land, den Kommunisten. Die Partei von Wladimir Sjuganow kam wegen der unterirdischen Wahlbeteiligung nach 23 Prozent bisher nur noch auf desaströse 13. Der Extremist Wladimir Schirinowski, dessen Partei sich hier liberaldemokratisch nennen darf, konnte einen Achtungserfolg feiern und wird mit mehr als 15 Prozent wohl die zweitstärkste Fraktion in der neuen Duma. - Montag, 08.12.2003
Ich habe SAT.1 viel zu verdanken und bleibe dem Sender auch weiterhin sehr verbunden.
Sympathischer als diese Aussage von Entertainer Harald Schmidt ist einLeckt mich am Allerwertesten
wohl noch nie formuliert worden.- Dienstag, 09.12.2003
- Dass er einmal in einem Atemzug mit einem brasilianischen Weltmeister und dem Sohn des
libyschen Revolutionsführers genannt würde, hätte sich Carsten Jancker wohl nie träumen lassen. Am
Wochenende wurde Jancker, aktuell erfolgloser Stürmer des italienischen Erstligisten Udinese Calcio
und ehemals - fast vergessen - der deutschen Nationalmannschaft hinter dem Brasilianer Rivaldo und
Saadi Al-Ghaddafi als drittschlechtester Fußballer Italiens mit der
Mülltonne
ausgezeichnet. Eine illustre Gesellschaft, die Hörer des staatlichen Radiosenders RAI da zusammengestellt haben. Ein Ballzauberer, der beim AC Mailand keinen Fuß auf den Boden bekam und vor Wochen beleidigt seinen Vertrag auflöste. Ein nie eingesetzter - und zudem noch gedopter - Sohn eines Politikers mit Hang zum Prunk. Und eben Jancker, in 16 Monaten mit ganzen zwei Toren für seinen Verein aufgefallen. Bleibt zu hoffen, dass Jancker in den kommenden Wochen neben dem Pech nicht auch noch Müll an den Schuhen klebt. - Mittwoch, 10.12.2003
- Dass sich Frauen um Männer balgen, soll ja keine Seltenheit sein. Wenn sie das jedoch
öffentlich tun, treten in schöner Regelmäßigkeit beflissene Verteidigerinnen des weiblichen
Geschlechts auf den Plan, um der latenten Unterdrückung der Frau das Wort zu reden. So auch im Falle
des
Bachelor
, einer nur mäßig erfolgreichen Kuppelshow bei RTL. In der umgarnten anfangs 25 durchweg gut aussehende, intelligente Frauen einen charmanten, angeblich wohlhabenden und zudem heiratswilligen Junggesellen, denBachelor
eben. Mittlerweile sind es nur noch deren vier, und mit jeder Woche, in der der Kandidatinnen-Kreis schmilzt, erhitzen sich die Gemüter von selbsternannten Frauenrechtlerinnen mehr. Katherina Reiche von der CDU fordert ebenso die Einstellung der Sendung (Stoppt diesen Unsinn!
) wie Sabine Bätzing (SPD), die gar vonKamelhandel
spricht. Nun, ein Vorschlag zur Güte von derview
-Redaktion: Frau Reiche und Frau Bätzing geben sich einen Ruck und gehen mal mit dem jungen Mann essen. Dabei erzählt er ihnen, dass RTL sowieso alles bezahle, die Villa, die Ausflüge, sogar die Anzüge. Er - derBachelor
- sei doch lediglich ein armer Student mit abgeschlossenem BWL-Grundstudium. Dann kommt noch RTL-Fernsehdirektor Hans Mahr dazu und legt die aktuelle Medienanalyse vor. Aus der geht dann hervor, dass die Sendung eh hauptsächlich von Frauen um die 60 gesehen wird, die schon immer von einem reichen Junggesellen geträumt haben. Am Ende sagt derBachelor
dann, dass er lieber seinenMaster
machen und mit einer einfachen Studentin zusammen sein will. Die Hochzeit in der Professoren-Mensa der Uni Marburg überträgt RTL und alle sind glücklich. - Donnerstag, 11.12.2003
- Die ganze deutsche Wirtschaft ärgert sich, dass sie nicht am Wiederaufbau des Irak mitverdienen darf.
- Freitag, 12.12.2003
- Es ist immer das gleiche mit dem Kaninchen. Erst muss es ein tristes Leben in einer Kopfbedeckung fristen, dann wird es in letzter Minute aus dem Hut gezaubert. Wahlweise von einem Zauberer oder einem Politiker. Gerhard Schröder hat den sprichwörtlichen Meister Lampe schon öfter triumphierend in den Händen gehalten. So wie heute. In letzter Minute zaubert er einen nicht mehr erwarteten Last-Minute-Kompromissvorschlag hervor, um die Opposition doch noch zum Einlenken im Vermittlungsausschuss zu bewegen. Demnach soll ein mehr als doppelt so hoher Privatisierungserlös aus dem Verkauf von Staatsunternehmen erzielt werden und so das Vorziehen der dritten Steuerreformstufe von 2005 auf 2004 im Sinne von CDU/CSU/FDP gegenfinanziert werden. Ob Schröder am Ende Erfolg hat oder sich des Kanzlers Kaninchen als fauler Zauber herausstellt, entscheidet sich am Sonntagabend.
- Samstag, 13.12.2003
- Lothar Matthäus war ein großer Spieler. Und ein Vielspieler dazu. Noch mit 40 schnürte
der Rekordnationalspieler seine Töppen für die Bayern. Jetzt wird Matthäus - inzwischen
ausgebildeter Übungsleiter - offenbar auch zum Vieltrainer. Nach Stationen in Graz und Belgrad tritt
der Freund der dritten Person (
Ein Lothar Matthäus gibt immer alles
) bereits die dritte Stelle innerhalb von nicht mal zwei Jahren an. Er wird zum 1. Januar 2005 laut Medienberichten Nationaltrainer in Ungarn. Die Magyaren haben seit Puskas' und Hidegkutis Zeiten nichts mehr gerissen und wollen jetzt mit dem berühmten Deutschen unbedingt zur WM 2006. Nach Otto Rehhagel in Griechenland, Berti Vogts in Schottland, Bernd Stange im Irak und Winfried Schäfer in Kamerun wäre Matthäus damit der fünfte deutsche Trainer, der sich mit seinem Team für die WM 2006 in Deutschland qualifizieren will. Doch entscheidend für den Wechsel von Matthäus nach Ungarn ist wohl nicht die Aussicht, sich in der Heimat zu präsentieren. Vielmehr sei der Grund lautBAMS
Ehefrau Marianna Kostic, die mit ihren drei Kindern in Budapest lebt und dort einen Modesalon betreibt.