Die Woche im Spiegel von view
- Sonntag, 23.11.2003
- Von Jürgen Koppelin weiß man nicht viel. Der FDP-Politiker ist parlamentarischer Geschäftsführer seiner Partei im Bundestag und damit nicht verdächtig, in der aktuellen deutschen Außenpolitik zu reüssieren. Wie man sich irren kann. Heute hat Koppelin nämlich dafür plädiert, dem zurück getretenen georgischen Präsidenten Eduard Schewardnadse Asyl in Deutschland anzubieten. Dies sei eine logische Schlussfolgerung, so Koppelin im Interview mit einer Berliner Boulevardzeitung. Schewardnadse habe vor 13 Jahren erkannt, dass die Menschen in Deutschland nach dem Fall der Mauer die Einheit wollten und diese nicht mehr aufzuhalten sei, es sei denn mit Blutvergießen. Der beflissene FDP-Mann wurde leider nicht belohnt. Schewardnadse erklärte kurz darauf, er freue sich über das Angebot, wolle aber lieber in seiner Heimat bleiben. Vielleicht hat ja auch einfach nur der Falsche das Angebot unterbreitet.
- Montag, 24.11.2003
- Florian Gerster hat schon einmal Unmut erregt. Das war, als die Zentrale der
Bundesanstalt für Arbeit (BA) aufwendig umgebaut wurde. Von
Goldenen Wasserhähnen
war die Rede und von Kosten, die jeder Grundlage entbehrten. Man spottete gar, Gerster wolle damit auf seine Weise Bauarbeiter in Lohn und Brot bringen. Damals war die Affäre so schnell vorüber, dass niemand dazu kam, sich von Gerster zu distanzieren. Das ist vielleicht der Unterschied zum heutigen Tag. Nachdem öffentlich wurde, dass der agile BA-Chef einen PR-Deal abgeschlossen hat, der a) viel zu teuer, b) völlig unnötig und c) (was am schwersten wiegt) nicht ausgeschrieben war, suchten alle dem SPD-Mann nahe stehenden Personen das Weite. Wer möchte schon im Dunstkreis eines Mannes agieren, dem Vetternwirtschaft vorgeworfen wird. Ursula Engelen-Käfer war nach der Opposition, die die Ablösung Gersters forderte, die erste. Die Gewerkschafterin, Vorsitzende des Verwaltungsrates der BA, wies jede Verantwortung von sich. Die Entscheidung habe Gersterganz allein
getroffen. Auch das zuständige Bundeswirtschafts- und Arbeitsministerium verwies auf die alleinige Verantwortung der BA. Es wird einsam um einen Mann, der mal als Hoffnungsträger der rot-grünen Bundesregierung galt. Jetzt ist diese seine letzte Hoffnung. - Dienstag, 25.11.2003
- Günter Kaufmann ist frei. Erstmal jedenfalls. Das Gericht hat dem Antrag auf eine Wiederaufnahme des Verfahrens gegen den Fassbinder-Schauspieler zugestimmt. Kaufmann hatte vor Jahren einen Mord gestanden, den er nicht begangen hatte. Er hatte es getan, um die todkranke Frau zu schützen, die er liebte. Als er erfuhr, dass eben diese selbst in den Mord verwickelt war und eine vom schlechten Gewissen geplagte Zeugin für Kaufmann ausgesagt hatte, widerrief er sein Geständnis. Auch wenn es ein tragischer Krimi aus dem richtigen Leben war, Kaufmanns größte Rolle kann damit doch noch mit einem Happy End schließen.
- Mittwoch, 26.11.2003
- Die
große Serie
des FC Bayern München, die Manager Uli Hoeneß nach dem Null zu Null gegen Celtic Glasgow angekündigt hat, wird in drei Tagen mit einem erbärmlichen 2:2 gegen Schlusslicht 1.FC Köln beginnen. DasSpiel um die Zukunft des Vereins
verliert Borussia Dortmund in Sochaux mit 0:4 und auch der FC Schalke 04 scheidet im UEFA-Cup sang- und klanglos aus. Ein Unentschieden in der Champions-League und kein deutscher Verein mehr im UEFA-Cup vertreten, grausige Tage für den deutschen Fußball-Fan. Einzig der VfB Stuttgart (über)erfüllt die Erwartungen und zieht vorzeitig ins Achtelfinale der Champions-League ein. Die Verschiebung der Kräfte offenbart sich aber nicht nur in Bundesliga und internationalem Wettbewerb. Als derChampions-League-Sender
SAT1 vor zwei Wochen per Zuschauervotum wissen wollte, welchen deutschen Verein er denn übertragen solle, gewann auch hier der VfB klar vorm FCB: 70 Prozent wollten die Schwaben spielen sehen. - Donnerstag, 27.11.2003
- Der Kanzler sprach mal wieder machtvolle Worte:
Die Rücktrittsdrohungen in der vergangenen Zeit sind wirklich notwendig gewesen, um deutlich zu machen, wie ernst es mir mit der Reformagenda 2010 ist. Das ist verstanden worden.
Und ob der Krise der Bundesrepublik angesprochen auf eventuell bestehende Rücktrittsabsichten:Ich habe noch etwas vor!
Was, sagte er mal wieder nicht. - Freitag, 28.11.2003
- Karl und Theo Albrecht haben gerade keinen Grund zum Feiern. Zwar sind die beiden ALDI-Brüder immer noch mit Abstand die reichsten Männer der Republik und somit jeglicher privater Sorgen ledig, aber beruflich mag es nicht mehr so gut laufen, wie das in den vergangenen Dekaden noch normal war. Der Profit ist im vergangenen Jahr stark gesunken und Konkurrent LIDL schickt sich an, den bekanntesten Krämern des Landes den Rang abzulaufen. Jetzt mussten die beiden auch noch dem Statthalter von ALDI Dänemark den Rücktritt nahe legen. Michael Thureau, der ALDI Denmark vor fünf Jahren übernommen und zurück in die Gewinnzone geführt hatte, wurde ein Verstoß der besonderen Sorte zum Verhängnis: Er hatte auf einer Betriebsfeier Alkohol konsumiert. Das ist in der Diskounter-Familie seit jeder verpönt.
- Samstag, 29.11.2003
- Konrad Adenauer ist nach Meinung von 1,82 Millionen Deutschen
Unser Bester
. Er wird gefolgt von Martin Luther und einem gewissen Karl Marx. Die Genugtuung auf dem dritten Platz. Wenn das mal keine gute Nachricht ist.