Die Woche im Spiegel von view

von Klaus Esterluß

Sonntag, 14.09.2003
Aus dem Hintergrund müsste Bobic schießen! Bobic schießt! Toooor! Tooor! Auch wenn dieser Ausruf nur entlehnt ist, trifft er quasi voll. Bobic hat getroffen, zweimal sogar. Und die Hertha hat trotzdem nicht gewonnen. Gegen Hannover 96, Bobic's Ex-Club. 2:3 hieß es am Ende. Hertha BSC hat weiterhin drei Punkte und steckt nach dem fünften Spieltag der Fußball Bundesliga mit dem Kopf im Kellerboden. Kämpfen, fordert Trainer Stevens. Klar, was sonst. Aber wann?
Montag, 15.09.2003
Arnold Schwarzenegger will Gouverneur in Kalifornien werden. Dieses Vorhaben hat ihm einen putzigen Beinamen (Gouvernator) beigebracht und passable Chancen obendrein. Immerhin hat Amerika mit schauspielenden Politikern Erfahrung. Nun aber könnte ihm eine simple Lochkarte einen Strich durch die Rechnung machen. Mit diesem alten System würde nämlich gewählt und durch sonderliche Genauigkeit glänzte es in der Vergangenheit nicht. Präsident Bush wurde dank dessen in seine Position gehievt, Amerika gelangte in Spott und Kritik und darum will man in Florida nicht mehr wählen. Zumindest nicht mittels des alten Systems. Ein Berufungsgericht hat deshalb entschieden, die Gouverneurswahl in Florida zu verschieben. Bis ein neues überall installiert ist. Und das wird länger als bis zum 07. Oktober brauchen. Mehr Zeit ist schlecht für I'll be back - Arnie (Republikaner), aber gut für den bisherigen Amtsinhaber Gray Davis (Demokrat), der durch die Unterstützung Bill Clintons (Ex-Präsident) deutlich an Boden gut macht. Hasta la vista, judge, mag Schwarzenegger denken. Das gleiche Gericht hat übrigens Marihuana für medizinische Zwecke freigegeben. Böse, böse.
Dienstag, 16.09.2003
Oskar hat Geburtstag. Nicht der aus der Sesamstraße, sondern der von der SPD. Ex-Vorsitzender, Ex-Kanzlerkandidat und deutliche-Worte-in-Bücher-schreiber. Vier Jahre war er jetzt der Politik fern, aber es kribbelt. Und mit 60 ist er noch nicht zu alt für das Geschäft. Er will, aber was, verrät er nicht.
Mittwoch, 17.09.2003
Es gab schöne Bilder zu sehen, in den Zeitungen, im TV, im Internet. Schön waren vor allem die aus großer Höhe. Alle zeigten einen weißen Strudel. Hübsch, irgendwie. Jemand muss den Stöpsel in einem Schaumbad gezogen haben. Ist aber kein Schaumbad, sondern der Wirbelsturm Isabel, der sich auf die amerikanische Ostküste zubewegt und sie irgendwann diese Nacht erreichen soll. Deshalb läuft auch so etwas wie eine große Flucht. Selbst die allmächtige Präsidentenmaschine, die Air Force One, wurde von ihrem Stützpunkt Washington weiter ins Landesinnere verlegt. Den Surfern aber macht die Briese noch Spaß. Übrigens soll der Wellengang nach einen solchen Sturm der beste sein. Vorher ist aber auch schon hübsch.
Donnerstag, 18.09.2003
Nun ist es doch raus. Saddam Hussein, vor einigen Monaten in die Steinzeit gebombter Ex-Diktator im Irak hat nichts mit den Ereignissen des 11. September 2001 zu tun. Räumte US-Präsident Bush heute ein. Hussein habe aber erwiesenermaßen Kontakte zur Al-Qaida unterhalten, sagte der Präsident. Bush gerät derzeit immer mehr in Erklärungsnot, schließlich starben seit der offiziellen Waffenruhe, nach dem offiziellen Ende des Irakkrieges, mehr amerikanische Soldaten als im Krieg selbst. Außerdem kostet die ganze Aktion Unmengen. Macht selbst patriotische Amerikaner stutzig. Und das will was heißen.
Freitag, 19.09.2003
Im Stockholmer Rathaus wurde heute von der ermordeten schwedischen Außenministerin Anna Lindh Abschied genommen. Die Politikerin war in der vergangenen Woche in einem Kaufhaus erstochen worden. An der Trauerfeier nahmen, neben Angehörigen auch namhafte Politiker teil, unter ihnen auch Außenminister Fischer.
Samstag, 20.09.2003
Die längste Windel der Welt wurde heute um das Rote Rathaus am Alexanderplatz gelegt. Mit dieser Aktion sollte nicht etwa nur ein Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde geschafft, sondern gegen höhere Kita-Gebühren protestiert werden. Etwa tausend Kinder und Eltern beteiligten sich an der Aktion. Eine erstaunlich geringe Zahl, die Veranstalter (Landeselternausschuss, Ver.di und DGB) hatte ursprünglich mit zehnmal so vielen Protestanten gerechnet. Stinkt also ein bisschen, diese Aktion. Im wahrsten Sinne des Wortes. Waren die Windeln wenigstens voll?