Die Woche im Spiegel von view

von Klaus Esterluß

Sonntag, 13.07.2003
Was dem Friesen sein Labskaus, ist dem Spanier seine Paella. Beidem ist gemein, dass diese Nahrungsmittel, Schrägstrich: Spezialitäten, irgendwie aussehen, als wären sie durch den Wolf gedrehte Reste, die irgendwer auf dem Boden der Küche aufgesammelt hat.
Eine ähnliche Tradition auf der iberischen Halbinsel ist die Jagd und Hatz auf das männliche Pendant zur Milchkuh. In Pamplona werden jährlich einige der 650 Kilogramm schweren Steaks in Originalverpackung durch enge Seitengassen gejagt, in denen sie zur Belustigung vieler einige weniger belustigte zu Boden trampeln, auf die Hörner nehmen und in den Hintern pieken. 140 Opfer gab es in diesem Jahr, die meisten kommen glimpflich davon. Zwar ist diese Treibjagd einerseits Tradition, andererseits aber vor allem Touristenattraktion und bringt Geld in die Kassen der Stadt und darum kann man wohl nicht ohne sie.
Vielleicht sollte die Friesische Tourismusindustrie, um die Besucherzahlen der Region zu maximieren, abkupfern und Nordseekrabben durch die Gassen Paderborns jagen. Sieht sicher auch possierlich aus und tut wohl weniger weh, wenn die wo treffen.
Montag, 14.07.2003
I'll be back - Arnie macht den Terminator. Zum dritten Mal, Baby. Der Film kommt zwar erst in zwei Wochen in die Kinos, aber der Steiermärker Muskelprotz hat ihn am Montag in Berlin präsentiert. Hau-Drauf-Kino par exellence soll der Schinken sein, mit viel Blechkameraden und rot leuchtenden Augen. Natürlich. Die Story ähnelt denen der Vorgänger auffallend: John Connor, in Teil eins noch ungeboren und im zweiten gerade dem Stimmbruch entfleucht, ist zehn Jahre älter und ein Mittelloser ohne Dach überm Kopf oder Kreditkarten in der zerlederten Brieftasche. Trotzdem ist der Jungmann noch wichtig genug, um T-X auf ihn zu hetzen. Eine Kampfmaschine im Körper eines Schnuckelchens vor dem Blechgott und dem einzigen Ziel im synthetischen Gehirn - töten! Kaltmachen! Zu einem matschigen Haufen kloppen. Nach zehn Jahren nichts neues also. Wir aber sehen uns wohl in 15 Jahren zu Terminator IV wieder in den Kinos. Arni ist dann knapp 70. Das rockt.
Dienstag, 15.07.2003
Christoph Daum, Fußballlehrer, überrascht die Fachwelt mit der Aussage: Friedmann hat von mir gelernt. Berliner Morgenpost) Nur was? Koksen kann doch jeder, der durch die Nase atmet.
Mittwoch, 16.07.2003
Berlin ist eine Reise wert, meint man. Berlin ist eine Umsiedlung wert, sollte man wohl besser sagen. Nachdem die Musikbranchenriesen Universal und Sony an der Spree residieren, Mtv schon da ist und Viva auch bald kommt, macht sich nun auch die Popkomm, immerhin die weltgrößte Musikmesse, auf den Weg in die Hauptstadt. Weil, sagen die einen, ein solches Ereignis nun mal nach Berlin gehört. Aber, schreien die anderen, da hat es quasi Schiebung gegeben, weil der Senat der Messegesellschaft Berlin ordentlich Geld versprochen hat. Fakt ist, die Popkomm findet ab 2004 im Schatten des Funkturms statt. Ob sich Berlin damit ein faules Ei in das eh schon löchrige Finanznest gelegt hat, wird abzuwarten bleiben, denn Geschäfte macht man auf der Popkomm schon lange nicht mehr. Die Messestände werden kleiner oder, wie etwa von Virgin, ganz aufgegeben. Geld verdient einzig Dieter Gorny, Chef von Viva und Popkomm, denn die Preise, um zur Messe zu dürfen sind happig.
Donnerstag, 17.07.2003
Sie war eine der schönsten Frauen im deutschen Showgeschäft. 750 Kilogramm schwer, mit buschigem Waldemar Hartmann Schnauzer und 66 cm langen Hauern. Geboren in Russland lebte sie bis zu ihrem Tode bei Hagenbeck in Hamburg. Antje schubste allabendlich das Logo des NDR über ihren Beckenrand in Richtung der Zuschauer. Sie war das Walross der Nation. Heute starb sie im Methusalemalter von 27 Jahren.
Freitag, 18.07.2003
Heute vor 85 Jahren wird Nelson Mandela in Transkei, der heutigen Provinz Ostkap geboren. 1964 verurteilt man ihn wegen Sabotage und Aufruhr zu lebenslanger Haft, in der er bis 1990 verbleibt. 1993 wird ihm, mit dem damaligen Präsidenten Südafrikas Frederik de Klerk, der Friedensnobelpreis verliehen. Zu seinem Geburtstag gibt es, neben den üblichen Glückwünschen, Feuerwerken und Ständchen, eine Torte bestehend aus 85 Kuchen.
Samstag, 19.07.2003
Bayern ist ein schönes Land. Viel Natur, blaue Bergseen, lila Kühe, auch braune, Edelweiß, Lederhosen und eine für Außenstehende vollkommen unverständliche Sprache. Joa mei! Regiert vom weisen, weißhäuptigen König Edi I., der, inzwischen in der Artikulation geschult, leidenschaftlich gegen die Regierung im preußischen Berlin wettert und seit neuestem auch gegen den befreundeten Ministerpräsidenten Roland Koch: Wer große Forderungen an die Bundespolitik stelle, müsse erst mal ein bisschen Ordnung im eigenen Land schaffen. Sagt er. Bayern gewinnt Arbeitsplätze und alles ist schön, aber unspannend. Die perfekte Idylle in Weiß - Blau. Das aber der Freistaat beinahe sozialistische Wahlergebnisse zustande bringt, ist immer wieder erstaunlich. So wurde heute seine Hoheit mit knapp 97% der Delegiertenstimmen als Vorsitzender der königlichen Partei - CSU - bestätigt. Gibt es schon Planwirtschaft? Und wann wird die Mauer gebaut?