Die Woche im Spiegel von view

cartoon von Klaus Esterluß

Sonntag, 29.06.2003
Bunt, ja bunt sind alle meine Kleider, bunt ja bunt ist alles was ich hab. Darum lieb ich alles was so bunt ist, weil mein Schatz [Pause] Vortänzer beim Christopher Street Day ist. So. Die Melodie dürfte bekannt sein. Und dass es bunt wird an diesem einen Tag im Jahr in der Hauptstadt auch. Berlins Schwule und Lesben (und nicht nur die) machen aus der Stadt das, was die Loveparade seit einiger Zeit krampfhaft versucht. Eine sympathische Spaßveranstaltung. 600.000 sind es ungefähr, die sich um die 60 Umzugswagen (Dr. Mottes bunter Haufen hat bisher nur 39) rund um die Siegessäule geschart haben. Beinahe Liebesparaden- Ausmaße. Die Feiernden sind nur besser geschminkt.
Montag, 30.06.2003
Die Queen ist eine reiche Frau. Wenn Joanne K. Rowling Harry Potter nicht erfunden oder nicht so gut abgekupfert hätte, wäre die englische Königin sogar die reichste Frau ihres Landes. Prinz Charles, Sohn und Thronfolger ist auch reich. Nicht ganz so reich wie Mama, aber er kann sich 91 Bedienstete leisten, die alles zwischen Frühstücksmüsli bereiten und Polotrikot bügeln für den Mann mit den großen Ohren auf die Beine stellen. Dieser erschreckend geringe Luxus des Charles gibt immer wieder Anstoß in der Meute seiner Untertanen um die tatsächliche Summe seines Vermögens. Nein, die Briten vermuten keine prinzliche Verarmung, sondern vielmehr Steuerschiebereien und unnötige Ausgaben. Darum hat der Prinz auch seinen Lieblingsdiener gefeuert. Und nun, um alle Gerüchte zu zerstreuen, öffnete Charles seine Haushaltsplanung. Nach allen Ausgaben bleiben dem armen Prinzen magere drei Millionen Pfund zur privaten Verfügung. Aber auch die Familie kostet: ein Chauffeur für Dauerfreundin Camilla muss schon sein. Und die nötigsten Ausgaben für die beiden Söhne, Eliteschule und so, sind auch nicht von Pappe. Bleibt ein armer Monarch zurück. Spenden an view. Wir leiten weiter.
Dienstag, 01.07.2003
Voll doof und total krass daneben könnse ja nich sein, die Schülers von Berliner Gümnasiums. Immahin 26 von ihnen haben es Pisa-untypisch geschafft und die Note 1,0 auf ihrem Abschlusszeugnis verewigt. 26 von 12.258. So schlecht ist das nicht. Besonders clever war die Evangelische Schule in Frohnau, deren Schüler einen Abiturschnitt von 2,07 zustande brachten. In diesem Zusammenhang erfährt der mit Sorgen ob der eigenen Rente und Zukunft der Jugend behaftete Erziehungsberechtigte, dass besonders gern Fremdsprachen als Leistungskurse genommen wurden. Englisch, als lebendes Beispiel und Latein als ein doch nicht ganz totes. Für die Schulabgänger kommt nun die Zeit des erare humanum est und in vino veritas. Ist doch in jedem Jahr dasselbe. Und, um noch eine Lüge aus der Popmusik zu entlarven: Alice Cooper sang mal: school's out for summer, school's out for ever. Von wegen.
Mittwoch, 02.07.2003
Die Bild Zeitung eröffnet ihre heutige Ausgabe mit einem goldkettchenbehangenen Pizzabäcker, dessen Pizzeria in Frankfurt am Main über ein Faxgerät verfügt. Das ist soweit nichts Ungewöhnliches. Vermutlich haben viele Pizzabratereien in Frankfurt ein Faxgerät. Sogar viele in ganz Deutschland. Dummerweise aber ähnelte die Nummer dieses bestimmten Faxgerätes einer anderen auffallend und so schickte Michel Friedman-Verteidiger Eckart C. Hild vertrauliche Ermittlungsergebnisse zum Fall seines Klienten nicht an das gedachte, sondern an das Pizzafax. Deshalb weiß die Welt, auch die außerhalb von Bild, jetzt mehr, als sie wissen sollte. Friedman habe, laut Bild und Fax, mindestens zehnmal in Anwesenheit von Prostituierten Kokain konsumiert. Komische Zufälle, die sich da aufbauschen.
Donnerstag, 03.07.2003
Beckham und kein Ende. Innerhalb von vier Stunden sind alle 8000 Trikots des Spielers mit der Rückennummer 23 im Fanshop Real Madrids ausverkauft. Das hat nicht mal Ronaldo geschafft. Oder Schumi.
Freitag, 04.07.2003
Mit Raketen, Böllern und Paraden feiern die Vereinigten Staaten die Geburt ihrer Geschichte. Zum 227.Mal wird der Unterzeichung der Unabhängigkeitserklärung gegenüber der britischen Besatzer beim zweiten Kontinentalkongress 1776 gedacht. Nicht nur in den Gärten und Parks knallen fröhlich die Korken, auch im Irak knallt es gewaltig, nur ganz und gar nicht fröhlich. 19 GI's werden an diesem Tag verletzt und ein Soldat bei Anschlägen Irakischer Guerilla getötet. Pünktlich zum Ereignis meldet sich offenbar auch ein alter Bekannter zurück. Der arabische Nachrichtensender Al Jazeera strahlt ein Tondokument aus, dessen Urherber Saddam Hussein sein soll. Er ruft zum Widerstand gegen die Besatzer seines Landes auf. Ob er es wirklich ist, der Bush das Barbecueschnitzel versalzt, bleibt unklar.
Samstag, 05.07.2003
My first, my last, my everything. / And the answer to all my dreams. / You're my sun, my moon, my guiding star. / My kind of wonderful, that's what you are. / I know there's only, only one like you. / There's no way, they could have made two / You're all I'm living for, / Your love I'll keep for evermore, / You're the first, you're the last, my every-thing.
Heute Nacht starb Barry White im Alter von 58 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls. Zu keiner Stimme sonst wurden so viele Betten durchwühlt. Im positiven Sinne.