Die Woche im Spiegel von view

von Klaus Esterluß

Sonntag, 01.06.2003
Heißa, heute ist Kindertag. Das möchte ja auch sein. Schließlich hat Mutti mindestens drei, wenn auch theoretische Feiertage (Frauentag - 8. März; Muttertag - 11. Mai und dann noch so einen Tag, den wohl sowieso niemand mitbekommen hat, dingens, muss gerade erst gewesen sein, kam im Fernsehen... ach, egal.) Pappi darf auch mal die Sau rauslassen und alkoholtechnisch an Himmelfahrt gen Himmel fahren. Und weil an selbigem Tag auch etliche Jungspunde zu Vätern mutieren, die biologisch kaum dazu in der Lage wären und grölend bebierflascht durch die Strassen ziehen, wäre die Brücke zum Kindertag geschlagen.
Achja, der Kanzler boxt beim SPD Sonderparteitag mit einem Ergebnis um die 90 Prozent die Agenda 2010 durch und ist offensichtlich glücklich.
Montag, 02.06.2003
Während vor der Tür Temperaturen über 30 Grad Celsius die Luft in eine Art Ganztagssauna verwandeln, wackelt der politische Eisberg, der sich zwischen The German Chancler Göhrhord Schroder und Mr. President George Doubleyou Bush seit vor dem Irakkrieg aufgetürmt hat, in seinen Grundfesten. Man reich sich nämlich beim G-8 Gipfel im französischen Mineralwasserstädtchen Evian nicht nur die Hände, sondern lacht auch mehr als herzlich: Ich sah, wie Bush Schröder einmal zuzwinkerte., sagt Schröders Afrika - Beauftragte Uschi Eid. Man habe sich außerdem mit Vornamen angeredet, miteinander geflachst und gelacht. Es kann nur aufwärts gehen. Friede, Freude, Eierkuchen.
Dienstag, 03.06.2003
Eilmeldung mit greisem Häuptling. Nein, greisem Kaiser: Der Franz nämlich, seines Zeichens Präsi bei Bayern München und stolze 57 Lenze alt, kann's noch. Und zwar erfolgreich. Im November soll der Braten aus der Röhre der Kaiser - Freundin Heidrun Burmester gar sein. Nach dem Willen des stolzen Erzeugers soll das Exemplar diesmal ein Mädchen werden. Klappt sicher. Ob sie dann auch Fußball spielt?
Mittwoch, 04.06.2003
Der Tag ist der bis dato heißeste des Jahres. Diverse Fensterbrettthermometer messen über 60 Grad Celsius. Effektiv waren es wohl um die 35 Grad im Schatten. Das lässt auf den Sommer hoffen. Sogar in Afrika ist es kälter.
Donnerstag, 05.06.2003
Jürgen W. Möllemann ist tot. Gegen 12.30 Uhr stürzt der ehemalige FDP Politiker, Ex-Vizekanzler, Ex - Wirtschaftsminister und Parteivize bei einem Fallschirmsprung aus 4000 Metern Höhe in die Tiefe. Kurz zuvor, gegen 12 Uhr Mittags, hatte der Bundestag Möllemanns Immunität aufgehoben und so den Weg für Durchsuchungen des Hauses und von Geschäftsräumen des Politikers frei gemacht. Möllemann wusste wohl von der Immunitätsaufhebung vor dem Sprung und so halten sich hartnäckig Gerüchte, er habe den Freitod gewählt.
Man denkt dabei unweigerlich an den Tod Uwe Barschels und Vermutungen, eine gänzliche Erklärung des Todes Möllemanns wird sich nie finden lassen, werden laut.
Der Hauptschirm des Enfant terrible der FDP hatte sich in etwa 1000 Metern Höhe von dessen Körper gelöst und Möllemann stürzte ungebremst in die Tiefe - der als Stehaufmännchen bekannte Politiker war zuletzt über die sogenannte Flugblattaffäre gestolpert, bei der er, während des Bundestagswahlkampfes 2002 ungeklärt finanzierte Flugblätter an mehrere Millionen Haushalte in Nordrhein - Westfahlen verteilen lies, in denen er gegen israelische Politik und Michel Friedmann wetterte.
Die Anteilnahme in allen deutschen Parteien war, trotz eventuell vorhandener Differenzen, enorm. FDP Chef Westerwelle sprach von tiefer Betroffenheit und würdigte die politischen Verdienste Möllemanns für seine Partei.
Freitag, 06.06.2003
Wenig los bis auf die Verleihung der Lola, ihreszeichens Pendantin des amerikanischen Oskar. Nur in weiblich, aber auch, mit 3 Millionen, hoch dotiert. Gewinnen wird haushoch und in allen möglichen Kategorien der Film Good Bye Lenin (er wird 9 Preise abgreifen). 2000 Creme de la Creme Gäste und Gästinnen sind auch vor Ort. Hollatrijo, es darf gefetet werden.
Samstag, 07.06.2003
Ladenöffnungszeiten bis 20 Uhr? Schottland - Deutschland - Länderspiel mit dem Ergebnis 1:1? Metallica, die in der Berliner Wuhlheide spielen? Alles unwichtig, alles nicht spannend, denn die Meldung des Tages kommt um kurz vor 23 Uhr aus der Hansestadt Rostock: Modern Talking geben auf. Schreibt die Bild, schreibt Spiegel Online und erzählt der Sender Antenne Mecklenburg Vorpommern. Dieter Bohlen jedenfalls wird mit folgenden, gewohnt tiefgreifend emotionalen Worten zitiert: Ich muss euch sagen, mit Modern Talking ist es vorbei. Thomas und ich haben uns einfach überlegt, dass wir in Zukunft wieder getrennte Wege gehen. Streit soll es gegeben haben und alle anderen Termine stehen mit dicken Fragezeichen in den Kalendern der ach so armen Fans. Sollte das Flehen der Musikenthusiasten erhört worden sein? Abwarten. Schließlich haben der Dieter und Geschäftspartnerin Thomas etwas vergleichbares schon mal versucht. (Hejyo, Kids, das war 1988) Geklappt hat's nicht.