So gesehen

Christian Gödecke hat ferngesehen

Ich war ja schon immer gegen Gebührenerhöhungen. Am Wochenende ist mir wieder klar geworden, warum. Wie eine Rechte von Ali krachte es mir mitten ins Gesicht. Sonntag, ZDF, beste Sendezeit: Ein greiser Brillenträger als Moderator, ein abgehalfterter Sänger, eine tanzende Geschmacksstörung und vieles mehr. Melodien für Millionen mit Dieter Thomas Heck. Von dem glaube ich mittlerweile, dass er als junger Mann schon aus dem Führerbunker berichtet haben muss. Gibt es ihn also immer noch. Beim Heck zu Gast an diesem Abend Cliff Richards und das Deutsche Fernsehballett. Unter anderen. Vorher, in der Tagesschau, hatte Sprecherin Susanne Daubner der aktuellen Diskussion um die Erhöhung der Gebühren viel Platz eingeräumt. Den bemüht objektiven Bericht beschloss ein Interview mit ARD-Chef Jobst Plog, der irgendwas von Qualitätssicherung und digitaler Zukunft erzählte. Kopfschüttelnd schaltete ich zum ZDF - und dann das.

Endgültig verarscht kam ich mir vor, als ich zum WDR sprang. Man muss dazu sagen, dass ich keine Fernsehzeitschrift besitze. Bisher jedenfalls habe ich in der Anschaffung keinen Sinn gesehen. Dass so was aber ein durchaus nützlicher Filter sein kann, wird mir langsam klar. In meiner Situation ist man nämlich gezwungen, alle Sender auf Brauchbares durchzuzappen. Da kann man dann auch gern mal enttäuscht werden. WDR also, beste Sendezeit. Qualitätssicherung und Bildungsauftrag die zweite. Das 3. Internationale Militärmusikfestival gibt sich die Ehre. Kölnarena, musizierende Soldaten mit blank geputzten Stiefeln und Zuschauer, die mich wahlweise an Opa Hoppenstedt oder Geschichten aus der Gruft erinnern. Gerade führt eine Musikkompanie aus dem Schwäbischen ihr Können vor. Das Präsentiert das Gewehr vom Hauptmann löst ein Raunen in der ausverkauften Halle aus und als die Vorstellung nach allerhand Gewehrdrehen und Marschmusik vorbei ist, tobt das Haus.

Tagtäglich bietet sich dem Fernsehzuschauer ein derart grausiges Bild. Es ist mittlerweile schon so, dass ich mich über schlechtes Fernsehen gar nicht mehr ärgere. Ich lache viel in letzter Zeit. Und freue mich, von ZDF und ARD selbst Argumentationshilfen gegen eine Gebührenerhöhung am laufenden Band geboten zu bekommen. Und wie mich gibt es Millionen da draußen. Hoffentlich.