Fanfaren und Herolde
Bremen-Report, Teil 5

Man hatte das letzte Wochenende durchgezecht, sich erstmals Dienstag getroffen und einander tief in die Augen gesehen. Und was sah man? Noch immer spiegelte sich der Boden der leeren Gläser in ihnen wider. Augenhöhlen wie Grotten. Na dann geht's eben erst am Mittwoch weiter.
Am Samstag konnten sie zumindest wieder selbständig gehen. Spiel eins nach dem Triumph. 43.000 Clanmitglieder verlangten nach ihren Recken. Und die endlich nach der Trophäe. Doch mit dem Fußballspielen dauert es wohl noch ein Weilchen. Neunzig Minuten musste das Feiern unterbrochen werden.
Denn Leverkusen war angerückt, noch mit der Hoffnung, im Herbst Champions-League zu spielen. Und so begannen sie auch. Drehung, Ausfallschritt und zwei schnelle Schritte. Sechsmal klingelte es. Aber das eigentlich lästige war der Gang, um den Ball wieder zum Anstoßpunkt zu tragen. Ja konnten die Pillendreher das nicht allein?
Nur die beiden Traurigsten in Bremen rissen sich noch mal am Riemen und ließen durchblicken, dass ihnen unter allen Tränen in den letzten Tagen wenig nach Feiern zumute war. Kristaijc und Ailton, die in der kommenden Europacupsaison lieber auf Pritschenwagen am Dorfanger singen als in Opernhäusern, schönten noch ein wenig das Ergebnis.
Und der Sonntag? Ein einziger Triumphmarsch. Nie zuvor marschierten Helden umjubelter durch Siegestore. Selbst der oberste Heerführer Scherf trug Kriegsbemalung. Straßen wurden umbenannt. Ein Volk huldigte seinen Größten, verneigte sich vor seinen Helden. Lieder wurden geschrieben. Kinder wurden gezeugt. Bekränzte Häupter umjubelt. Jungfrauen versprochen, oder?