Der Meistergeruch
Bremen-Report, Teil 4

Alois ist irgendwann, als Bayer in die Diaspora quasi, in Berlin gelandet und hat im Prenzlberg eine Kneipe eröffnet. Dort bietet er seitdem bayrisches Bier feil. Damit des guten Mannes Chancen in Preußen steigen, beherzte er Volkes Rat und zeigt die Spiele des SV Werder. Berlin mangelt es ja wie an so vielen Dingen auch an einer charakterlichen und spielbegabten Mannschaft. Da Alois in erster Linie Geschäftsmann ist, willigte er ein. Mal sehen, was es bringt, wird er sich gedacht haben.
Es brachte den Samstag, an dem wir im Wohnzimmer des Kaisers brandschatzen sollten, dem König in den Vorhof kackten.
Alois stellte in seiner Gaststube eine Videowand auf. Doch schon mit dem hundertsten Gast war die Hütte voll und noch immer begehrte das Volk Einlass. Alois stellte auf den Spielplatz nebenan einen mittelgroßen Fernseher. Die Menschen und der türkische Krämer gegenüber dankte es ihm. Rasch versammelten sich etwa 350 Werderaner im Exil um das Gerät und harrten der Botschaften aus Alois Heimat.
Glücklich der, der den Triumph im Mäusekino wenigstens schemenhaft erahnen konnte. Die Demütigung, die Blamage. Die Montage.
Und der große Rest? Macht nichts. Von Heldentaten geht auf ewig die Kunde. Mythen wachsen nicht im Augenblick, sondern in der Erzählung. Ihre Nahrung sind die Zeit und die Erinnerung. Ihre Größe erwächst den Wenigen die sie in die Welt tragen, ihr Ruhm der lyrischen Kargheit. Es wird noch unzählige Male wiederholt werden. Das Verschmitzte Klasnics, das Geniale Micouds, die Kunst Ailtons, die Askese Schafs. Die endlose Wiederholung wird jene Augenblicke alle Göttlichkeit entreißen und sie der Profanität preisgeben.
Und was wird für die Legende bleiben? Wovon wird der Mythos handeln?
Er wird berichten können, dass 500 Brüder und Schwester drinnen und draußen gemeinsam
fernsahen. Er wird an den Gesang Verena wir danken dir!
erinnern. Niemand wird wissen, was
Häme ist, der nicht den Liedern der himmlischen Chöre lauschte, wenn Uli Hoeneß puterrot die Farbe
aus seinen Lippen presste. Er wird vom Schweigen der Gedemütigten handeln und von der Unschuld der
Beglückten. Davon wird der Mythos künden. Und er wird wissen, wie sinnestrunken verschüttetes Becks
im Haar riecht, der Champagner des kleinen Mannes. Nämlich meisterlich.