Platzverweis auf Zypern?

Bremen-Report, Teil 1

von Jürgen Wutschke

Frankfurt. Waldstadion. Vom Namen sicherlich eine der deutschesten Spielstätten. Und außerordentlich deutsch haben wir gespielt. Uninspiriert rannten zehn Bremer auf das Gästetor und offenbarten ungewohnte Schwächen am Ball. Mit zwei linken Füßen geriet jeder Pass zum Glückspiel. Der Ball hatte scheinbar einen eigenen Willen. Und dann der heftigste aller Rückschläge: In München geht Schalke mit 1:0 in Führung. Wie soll man da gewinnen? Kein Wasserhahn der Welt tropft, wenn der Klempner vor ihm steht.

Foto: Valérien Ismael

Dann gleichen die Bayern aus. Bis dahin mussten wir nicht, könnten aber. Nun können wir nicht, müssten aber. Das Spiel wird zunehmend zur Qual. Vor allem für die Zuschauer. Obendrein geraten der Türke Davala und Grieche Amanatidis heftig aneinander. Der Referee bittet beide, ihre Probleme unter der Dusche zu klären. Kann Kofi Annan auf Zypern eigentlich auch Platzverweise aussprechen?

Endlich klinkt sich eine höhere Macht ein und nimmt Micoud und Ailton vom Feld der Tränen. Der junge Valdez nimmt seine Arbeit auf. Dann geht alles ganz langsam und schnell zugleich. Der 20-jährige stürmt aufs Tor zu. Doch ist der Weg so lang. Und auch der Ball will mitgenommen werden. Und im Nacken der heiße Atem des Verteidigers. Grashalm um Grashalm kämpft er sich vor, die Beine schwer wie Blei. Die letzten Meter schon im Delirium rettet er sich in den Strafraum und fällt kraftlos zu Boden. Der Schiedsrichter ist beeindruckt und pfeift anerkennend. Ismael nutzt die Gelegenheit, hämmert den Ball in die Maschen. Danach arbeitet sich nur noch die Uhr konstant vorwärts. Und dann: aus, vorbei, drei Punkte heute, sieben Vorsprung, nächste Woche Hannover.

Tags darauf ertönt das Gejaule aus der Weißwurstfiliale. Diskokönig Kahn bockt wie ein kleiner Bub, der Anschiss hätte Methode. Stimmt, Olli, wie damals in Hamburg. Weißt du noch? Letzter Spieltag, Nachspielzeit, indirekter Freistoß...