Bescheidenheit und menschliche Wärme machen mich so beliebt

Harald Schmidt gibt sich bei der Sat1-Pressekonferenz volkstümlich und schüttelt Kinderhände

von Mia Raben

Berlin - Eine Horde von Teenagern umringt Harald Schmidt, der Autogramme auf Berliner U-Bahn Fahrpläne kritzelt. Lässig sitzt er, seine langen dünnen Beine über einander geschlagen, auf einem Klappstuhl vor dem Sat1-Gebäude in Berlin-Mitte. Für die zufällig vorbei laufende Schulklasse unterbricht er sein Fernsehinterview. Kurzes Gespräch mit den seligen Kids, die im Chor Antwort auf die Fragen des Showmasters geben. Dann lässt er sich von einem kleinen Blonden das Handy reichen. An der anderen Leitung der Vater des Jungen. Es folgt ein kurzer Dialog. Kichernde Journalisten, neugierige Passanten - Showbiz zum Anfassen.

Der Anlass für den Medienrummel, für diese spontane Inszenierung der Kultfigur Harald Schmidt, ist für rund 1,4 Millionen Zuschauer Grund zur Freude. Sat1-Chef Martin Hoffmann verkündete am Dienstag feierlich die 5-Tage-Woche für das Zugpferd des Senders: Montag wird Harald-Schmidt-Tag. Bisher von Dienstag bis Freitag jeden Abend um 23.15 Uhr zu sehen, weitet Sat1 die Sendung ab 30. Juni 2003 auf den Montag aus. Hierzu Schmidt: Diese Entscheidung fällt aus Liebe zu Deutschland und aus Liebe zu Sat1, was ja fast dasselbe ist. Hoffmann und Schmidt stehen Arm in Arm vor der Pressetraube. Zwei Profis bei der Arbeit.

Wenn Sie einmal Claudia Schiffer gebumst haben...

Harald Schmidt unterhält sein kleines Live-Publikum in einer Berliner Seitenstraße mit der gleichen ironischen Schlagfertigkeit wie das Millionenpublikum in den deutschen Wohnzimmern. Es ist warm an diesem Vormittag im Juni. Die Sonne scheint, und Harald Schmidt hat gut Laune und ist wie immer provokant.

Die Frage, ob er Pläne habe, zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu wechseln, schmettert Schmidt mit Blitzgeschwindigkeit ab: Wenn Sie einmal Claudia Schiffer gebumst haben, dann ziehen Sie doch auch nicht zurück zu ihrer Mutter! Er lächelt, zieht dann die Mundwinkel nach außen, so dass seine ohnehin auffallend schmale Unterlippe verschwindet. Minimale körperliche Anzeichen von Anspannung und Konzentration. Denn der nächste Spruch wird Sekunden später erwartet. Seine grauen Haare sehen angegriffen aus. So, als hätte er sie zu oft gewaschen. Das Image des Harald Schmidt braucht übersorgfältige Pflege und ungeteilte Aufmerksamkeit. Jetzt noch mehr als vorher.

Dann trinke ich mein Weizen, um 14 Uhr bin ich dann müde.

Schmidts einziger freier Wochentag entfällt mit der Ausweitung seiner Sendezone. Bisher habe er montags immer Kinderdienst gehabt. Doch diese Ansammlung von Müttern ist wirklich unerträglich, sagt er. Um 12 Uhr frage ich mich dann: Mach ich mir ein Weizen auf? Dann trinke ich mein Weizen, um 14 Uhr bin ich dann müde. Wenn dann befreundete Kinder vorbeikommen, sage ich gar nichts mehr. Irgendwie komme ich wohl grummelig rüber, plaudert Schmidt aus seinem häuslichen Alltag. Der Extra-Arbeitstag sei also eine schöne Möglichkeit, von zu Hause weg zu kommen. Ob Schmidt in solchen Momenten jemals wirklich an seine Familie denkt? Oder verbinden sich Business und Privates nahtlos zu einer Kunstfigur? Vielleicht gibt es ja eine Art innere Trennwand, die für Außenstehende unsichtbar bleibt.

Ganz kurz blitzt der Schein von menschlicher Erschöpfung hinter der Schmidtschen Fassade auf. Es ist anstrengend. Ständig muss ich witzig und geistreich sein, sagt er. Das zu glauben fällt wahrlich nicht schwer. Doch beklagen will er sich nicht. In seinem Team von rund 100 Mitarbeitern duldet er keine Krankheit. Bei bisher 1266 Sendeterminen hat Schmidt nur vier Mal gefehlt. Wenn einer nicht gerade mit Tumor oder Lähmung kämpft, erwarte er, dass gearbeitet wird. Ein strenger Chef also, der es bei aller Komik und Alberei schaffen muss, die Distanz zu wahren.

Als wolle er jeden Zweifel am Zenit seines Erfolges im Keim ersticken, stellt sich Harald Schmidt für die Fotografen mit breit geöffneten Armen vor eine Sat1-Littfassäule und grinst. In dieser Haltung erstarrt er für eine halbe Minute. Sie erinnert an die Jesus-Statue auf dem Corcovado-Berg in Rio de Janeiro. An ihr prallen Wind und Wetter ab, denn sie ist ganz aus Stein. Und Harald Schmidt? Zitat für die Mitte: Das deutsche Volk hat mich verdient!