Operation Maulwurf

Saddam Hussein, das Pik-As aus dem Erdloch

Ein Kommentar von Klaus Esterluß

Der Zeitpunkt ist auffallend günstig. Weihnachten steht vor der Tür und in nicht ganz einem Jahr wird in den Vereinigten Staaten ein Präsident gewählt. Welcher ist selbstverständlich nicht absehbar, aber die Chancen für den Amtsinhaber George W. Bush steigen mit dem heutigen Tag. Saddam Hussein, das Pik-As im Skatblatt der Amerikaner, die Nummer Eins der Fahndungsliste, ist gefasst.

Der entmachtete Diktator saß in einem Erdloch, wohl nicht die vergangenen acht Monate, aber an diesem Tag schon. Angeblich hat er jeden Tag sein Versteck gewechselt. Einen langen grauschwarzen Bart hatte er und sah erschöpft aus. Und er hat keinen Widerstand geleistet. Warum auch? Macht hatte der Ex-Präsident sicher keine mehr. Die Verantwortung für die beinahe täglichen Anschläge auf Polizeistationen und gegen amerikanische, britische oder polnische Soldaten im Irak ist ihm wohl auch nicht anzulasten. Die Fäden ziehen hierbei andere. Saddam Hussein ist eine Symbolfigur geworden. Seine Festnahme ist ein notwendiges Zeichen, um die Moral aufrecht zu erhalten und die Unzufriedenen in der Heimat zu bekehren. Das wird gelingen. Bush sitzt fester im Sattel. Den Kriegsgegnern, allen voran dem demokratischen Präsidentschaftsaspiranten Howard Dean, der den Irakkrieg von vornherein kategorisch ablehnte, wird mit diesem Erfolg der Wind aus den Segeln genommen.

Nach dem schon perfekt inszenierten Auftritt Bushs am Thanksgiving-Day in Bagdad, war auch die Festnahme Saddams prestigeträchtig. We got him, sagte der oberste US-Verwalter Paul Bremer bei seiner Pressekonferenz und Tod für Saddam! riefen die anwesenden irakischen Journalisten. Ähnlich sah es danach auch auf den Straßen im Irak aus. Die Bevölkerung jubelte, es gab Freudensalven. Nicht jeder Einwohner aber denkt so.

Wer hofft, mit der Verhaftung des Ex-Diktators wäre der Frieden im Irak automatisch hergestellt, irrt. Saddam zu fassen und vor Gericht, wohl im Irak, zu stellen macht allenfalls ein gutes Gefühl. Bis der nächste Anschlag Menschenleben fordert.

Merry Christmas, Mister President.