Spar Wars

Der Streik der Berliner Studenten ist notwendig - auch wenn er viel zu spät kommt

Ein Kommentar von Christian Gödecke

Meine Mittel will ich so verwalten, dass wenig weit soll reichen.

(Laertes im Hamlet)

Natürlich kommt der Streik der Berliner Studenten zu spät. Viel zu spät. Bereits vor einem Jahr, als die Sparvorhaben des Senats öffentlich wurden, hätten die studiosi auf die Strasse gehen und gegen derlei Spar Wars protestieren müssen. Jetzt da schon feststeht, dass die Hauptstadt-Unis in den nächsten zwei Jahren 54 Millionen Euro einsparen sollen und ab 2006 sogar 75 Millionen Euro per anno, ist die mittlerweile landesweite Protestbewegung lediglich der verzweifelte Versuch, getroffene Entscheidungen rückgängig zu machen und längst bekannte Zustände anzuprangern. Und doch ist dieser Streik notwendig.

Solange Landwirte vom Staat Geld bekommen, wenn es zu heiß oder zu kalt ist, ist die Untergangsrhetorik des Senates (Die Kassen sind leer) mehr als scheinheilig. Bildung schafft Wissen, und Wissen macht aus den Akademikern von morgen Motoren der Produktivität - und die benötigt dieses Land dringend. Wenn die Bundesregierung verkündet, den Anteil der Studienanfänger pro Altersgruppe von 35 auf europäisch übliche 40 Prozent steigern zu wollen, dann dürfen nicht Hunderte von Millionen Euro den Unis ad hoc entrissen werden. Wer europäisch konkurrenzfähig bleiben will, darf nicht mit Prozentzahlen jonglieren. Der muss Schluss machen mit Zentralismus und Rahmenkompetenz, mit Zentralstellen und archaischen Studienordnungen.

Wettbewerb ist das, was den Unis fehlt. Weg mit dem Hochschulrahmengesetz, her mit einem Staatsvertrag zwischen den Ländern, der lediglich die Anerkennung von Studienergebnissen zwischen den Unis regelt und ansonsten Spielräume für Selbstorganisation lässt. Und nicht zuletzt das leidige Thema Studiengebühren: Natürlich wird es sie geben müssen, aber nicht zum finanziellen Selbstzweck der Hochschulen allein. Wer für sein Studium zahlt (dabei muss das Grundstudium kostenlos bleiben!), hat auch das Recht, Lehrpläne zu hinterfragen und die Qualität der Bildung nachzufragen. Und den Unis soll die Verpflichtung auferlegt werden, mit dem aus Studiengebühren und den - dann reduzierten - Bundesmitteln bestehenden Etat sorgsam umzugehen. Einsparpotenziale werden dann erkannt werden müssen. Aber die sollen dann wenigstens von den Unis selbst erkannt werden.

Natürlich ist das nicht die Quintessenz dessen, wofür die Studenten gerade streiken. Aber durch die Solidarisierung eines großen Teils der Bevölkerung, der Professoren und Uni-Führungen werden diese Demonstrationen - auch weil gewaltfrei, intelligent und konsequent geführt - in den oben beschriebenen größeren Kontext gesetzt. Unbewusst. Aber es ist gerade die dadurch entstehende öffentliche Diskussion um die Legitimität von Sparmaßnahmen auf Kosten von Bildung, die diesen Streik zu einem notwendigen machen. Auch wenn er nüchtern betrachtet ohne Chance ist.