Beruferaten

Ein Kommentar von Christian Gödecke

Es ist also raus. Der Deutschen Politik(er)-Verdrossenheit hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Müllers und Schulzes wissen nicht mal mehr, dass ihr Kanzler Kanzler ist. Sie kennen den Namen Gerhard Schröder, sie können gar sein Foto dem Namen zuordnen. Sie wissen vielleicht auch, dass Gerhard Schröder anno 2003 keinen Urlaub in Italien macht. Doch wie weit weg von den Bürgern muss die Profession Politiker mittlerweile sein, dass die aktuellen Amtsinhaber den Untertanen zwar als Personen bekannt sind, aber nicht als das, wofür sie gewählt wurden? Die Forsa-Umfrage der letzten Woche mag zum Kopfschütteln-mit-Lächeln animieren. Doch wenn fast 50 Prozent der Befragten, die mithin qua Auswahl einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung bieten, die Funktion Bundeskanzler nicht dem Inhaber zuordnen können, sollte das ein mehr als alarmierendes Zeichen für die Berufspolitiker aller coleur sein. Wie oft wurde in den vergangenen Jahren von der Selbstvergessenheit der politischen Eliten gesprochen? Wie oft wurde gewarnt, die politischen Parteien setzten sich mit Scheingefechten, Fraktionszwang und gegenseitiger Blockade der Gefahr aus, am Ende nur noch ihren eigenen Mikrokosmos zu regieren? Es ist nicht verwunderlich, dass die Wahlbeteiligung in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten stetig rückläufig ist. Es ist nicht verwunderlich, dass Inhalte - wo sie sich noch von denen der Konkurrenz unterscheiden - häufig nur noch über Personen vermittelt werden. Es fehlt den politischen Köpfen dieses Landes an der Einsicht, dass sie auch gewählt sind, Politik transparent zu machen, Menschen zu vertreten und nicht Parteipositionen. Diese Einsicht kommt meist erst am Ende der Legislaturperiode. Dann würde diese Umfrage gewiss Anderes ergeben. Und die Politiker animieren, so weiter zu machen, wie bisher.