Strampeln für die Weltherrschaft
Internationale Politik und die Tour de France haben vieles gemeinsam. Hier wie dort geht es mal auf- und dann wieder abwärts. Und natürlich gibt es nur einen, der das gelbe Trikot tragen darf. Das ist gegenwärtig zweifellos der amerikanische Präsident George W. Bush. Er sitzt fest im Sattel und feiert Etappensiege auf dem Weg zum Ziel der uneingeschränkten Weltherrschaft.
Bis vor kurzem schien der Teamchef unbezwingbar. Steuergeschenke für das amerikanische Volk und militärische Feldzüge gegen die Achse des Bösen machten einen Gesamtsieg immer wahrscheinlicher. Doch neuerdings zeigt das Team White House ernst zu nehmende Konditionsschwächen.
Seitdem bekannt wurde, dass die amerikanische Regierung sich in ihrer Rechtfertigung für den Angriff auf den Irak mit falschen Geheimdienstberichten füttern ließ, kommen die Falken zunehmend ins Schwitzen. Die Bush-Administration ist in Erklärungsnot, ihre Glaubwürdigkeit angekratzt.
Selbst das gutgläubige Volk straft seine Washingtoner Helden mit sinkender Zustimmung in den Umfragen. Die Begeisterung für den gewonnen Krieg wird zunehmend von Einbußen überschattet. Wie viele tote Soldaten werden die Amerikaner Bush noch nachsehen? Außerdem schwindet die Akzeptanz für die enormen Kosten des Wiederaufbaus (3,9 Milliarden Dollar monatlich).
Nun ist auch noch die geplante Image-Verbesserung durch die Afrikareise fehlgeschlagen. 2,4 Millionen afrikanische Aids-Tote im letzten Jahr - Bush wollte seine humanitäre Ader aufblitzen lassen und versprach viel Geld. Doch alle Aufmerksamkeit war den Erkenntnissen über die Kriegslügen gewidmet. Der geplante Etappensieg wurde ihm madig gemacht.
Bush ist also nicht unverwundbar und das stärkste Team stößt an seine Kraftgrenzen. Trotzdem gibt es keinen Grund, den Gesamtsieg ernsthaft in Zweifel zu ziehen. Denn anders als bei der Tour, gelten auf der Weltbühne bekanntlich nicht die gleichen Regeln für alle. Das Team White House bleibt vorerst konkurrenzlos.