Eat the Rich
Was nicht sein darf und trotzdem diskutiert wird
1998, nach gewonnener Wahl und allgemeiner Euphorie, dass Birne
nicht mehr Kanzler war und Uns Gerd
nun
diesen Job übernahm, schrieben die neuen Regierungsparteien SPD und Grüne folgendes in ihrem Koalitionsvertrag fest: Wir
werden das Hochschulrahmengesetz im Einvernehmen mit dem Bundesrat weiterentwickeln und dabei die Erhebung von Studiengebühren
ausschließen sowie die verfasste Studierendenschaft absichern.
Und was quasi in Stein gemeißelt ist, lässt sich in einer Bürokratie nur schwer wieder löschen. Dennoch steht die Idee immer wieder immer mehr im Raum, die besagt, dass Studiengebühren notwendig sind, um a) die Unis zu retten und b) die Unis zu retten. Denn soweit ist die Meinung, trotz aller Diskussion, immer gleich: Das Geld aus den Einnahmen soll den Hochschulen zugeführt werden. Schließlich sind Berliner Unis kaum mehr als ein riesiger studentischer Schmelztiegel (vor allem im Sommer), in dem selten der ein oder andere Lehrkörper paddelt, aber nicht so recht vorwärts kommt. Über einhundert Studenten auf eine Lehrkraft sind keine Seltenheit. Wenn das mal reicht.
Kommt also die Formel: Studiengebühren = mehr Lehrkräfte + bessere Ausstattung = höheres Lehrniveau, oder geht die Rechnung mehr in Richtung Ausdünnung der Studentenmassen in oben erwähntem Topf auf ein elitäres Süppchen?
Der Ideen jedenfalls gibts einige:
Ein Erststudium soll weiterhin gebührenfrei bleiben, ein Zweitstudium jedoch kosten, sagt die Berliner SPD. Was aber ist ein Zweitstudium? Wenn beispielsweise Walter Momper - regierender Bürgermeister a.D., mancher wird sich erinnern können - auf seine alten Tage dem Spleen erliegt, Kunstgeschichte schon immer als lohnenswertes Studienfach empfunden zu haben, ist das ein Zweitstudium. Denn er hat ja schon mal. Und zwar Geschichte, Politik und Volkswirtschaft. Sah richtig schneidig aus damals.
Ein Studium der Kunstgeschichte würde den Mann mit dem Schal allerdings Geld kosten. Nicht zu knapp sogar, wenn es nach dem Willen der SPD geht.
Die definiert Zweistudium aber nicht so knochentrocken wie es wünschenswert wäre, sondern lässt den Begriff ausgesprochen schwammig im Raum stehen. Wer beispielsweise seinem Bachelor - Erststudium ein paar weiterführende Semester anhängt, weil auch ein Abschluss als Master erreichbar ist und der außerdem noch wesentlich besser auszusprechen ist als Bä-tsche-lor, kann auch in die Falle Zweistudium treten und sich übel am Konto verletzen.
Der HU Präsident Jürgen Mlynek hielt unlängst eine Studiengebühr von etwa 1000 Euro im Jahr für denkbar. Es gehe darum, den Studierenden überhaupt die Möglichkeit zu geben, ihr Studium vernünftig zu beenden. Gehälter müssen gezahlt, die maroden Bibliotheken ausgestattet und Attraktivität geschaffen werden. Außerdem sollen Stipendien finanzschwachen Studenten ein Studium ermöglichen. Nun gut. Dennoch wird sich kaum eine Ausdünnung vermeiden lassen.
Grund für die ganze Diskussion ist, wie sollte es anders sein, der bankrotte Zustand des Landes Berlin. Man will
sparen. Warum also nicht an der Bildung? Um 200 Millionen Euro geht es dabei. Die will Finanzsenator Sarrazin bei den
drei Berliner Unis für den Landeshaushalt abzweigen, denn Den Anspruch an hervorragende Lehre werden wir nicht mehr nur
mit öffentlichen Mitteln für die Universität halten können.
Verboten bleibt die Idee trotzdem.