Teufelszeug
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Wolf Wondratschek - Mara | |
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| Verlag: | Hanser | |
| VÖ: | 2003 | |
Der Autor Wolf Wondratschek hat nach seiner hochgelobten Erzählung Mozarts Friseur
binnen 14 Monaten eine weitere Prosaarbeit abgeschlossen.
Diesmal tauchte der Wahl-Wiener aber nicht in die Psychosen eines Figaro, sondern in jene genialischer - und dem diabolischen immer gefährlich naher - Violoncellovirtuosen. Denen gemein war und ist das Privileg, auf einem Instrument des Italieners Antonio Stradivari spielen zu dürfen. Was liegt da näher, als sich der Lebensgeschichte des Instrumentes zu bemächtigen und sie auch noch gleich aus dessen Sicht zu erzählen.
Doch es ist ein Kreuz mit diesen teuren Stradivaris. Angeblich klingen sie jeden Abend anders, ein Spiegelbild ihrer Virtuosen. Ein Ding mit tausend Stimmen. In ihrer Gesamtheit ein nie gelüftetes Konglomerat von Einzelgeheimnissen. Mythenumrankt, geliebt, verteufelt. Ein Charakter? Zuletzt mehr Spekulationsobjekt als Musikinstrument. Mozart und Paganini ließen sie liegen, sie werden gewusst haben warum.
Auch Wondratschek kommt der Sache nicht ganz bei. Die Gäule des Fabulierens gehen ihm hin und wieder durch. Wo Strenge geboten wäre, gerät er ins Schwadronieren. Wo hingegen Raum wäre, lässt er die Blumen abseits des Weges ungepflückt. So dauert es nicht lange und dem erzählenden Gestus mischt sich etwas weinerliches unter, ein Klagen an Stellen, die wenig später als gute Zeiten erinnert werden. Die Qualität eines Musikers erschließt sich erst aus der Komparatistik mit anderen. So bleibt der rote Faden nur ein struppiges Paketband, dass mühevoll ein paar hübsche Episoden zusammenhält. Es gelingt der Erzählung nicht, in Fahrt zukommen oder überhaupt ein eigenes Tempo, einen eigenen Ton zu entwickeln. Bestes Beispiel dafür mag die vollkommen missglückte, erotisch gedachte Reflexion über das Umklammern des Instrumentes mit den Schenkeln des Musikers sein. Noch ehe die Sache in Schwung kommt, lässt der Autor die erzählende Stimme abbrechen.
