Retro auf den Spuren nach der Garage. Jet spielen Helden.
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Jet - Get Born | |
|---|---|---|
| Label: | Elektra Records | |
| VÖ: | 20. Oktober 2003 | |
Es reicht noch immer nicht, oder? Diese Frage ist keine aggressive, sondern eine eher
wohlwollende. Natürlich reicht es nicht. Man braucht Retro Musik. Jet aus Melbourne, Australien
also, dem Kontinent, der neben AC/DC noch The Vines hervorgebracht hat. Midnight Oil auch und viele
andere, Kylie, Jason etc. - aber diese letztgenannten passen kaum ins Schema dessen, was hier
vorliegt. AC/DC und The Vines dagegen wie der sprichwörtliche Arsch auf Eimer. Jet spielen Rock.
Fast schon Hardrock, ein bisschen was von den Rolling Stones, etwas The Who, Beatles, The White
Stripes, Strokes, wenn man will. Der britische Musikexpress nannte das vor kurzem: Sounds like
The Rolling Stones, The Balls - Out Stadium Rock of AC/DC and the soundtrack to the coolest chewing
gum ad of all time. It's one of the best things we've heard all year. Jet are rock'n'roll stars -
just try stopping them.
Stoppen? Natürlich nicht. Niemand würde das wollen. Auch wenn die
Halbwertzeit von Bands wie diesen erfahrungsgemäß gering ist und man nicht sicher sein kann, was in
den nächsten Jahren noch von Jet zu hören sein wird - diese Platte, Get Born
, ein Debüt (Eps
gabs vorher), ist ein Sammelsurium von Zitaten, Stilen und Riffs zwischen Garage Rock und Stadion
Gedröhn und kommt zur passenden Zeit. Die Welle der Iggy Pop & the Stooges, Television etc.
Zitate ebbt merklich ab, auch wenn die Strokes sie noch einmal reanimieren konnten. Glam Rock ist
in, Stadion, größer, weiter (im Sinne von Raum), Flower Power womöglich noch mehr. Siehe The
Darkness, die dieses Genre in Perfektion bedienen. Ein Hoch auf den Plateauschuh. Jet gehen ähnlich.
Nicht Glam aber trotzdem größer, raus aus der Garage, raus auf die Bühne. Sie zitieren die Stones:
Get What you Need
klaut bei Satisfaction
, Move On
zelebriert eine Mischung aus
Angie
und Wild Horses
. Die Beatles werden mit Look what you've done
gut
gewürdigt. Dennoch sind es nicht nur alte Helden, bei denen sich Jet bedienen. Are you gonna be
my girl
ist mehr White Stripes als die White Stripes selbst. Schneller. Passt auch auf Iggy Pops
Lust For Life
. Damit ist der erste Fuß raus aus der Garage, der zweite steht noch drinnen.
Wenn Cold Hard Bitch
schlussendlich AC/DC verdiente einheimische Ehren erweist, sind wir
angekommen, auf der großen Bühne. Jet spielen sich wie selbstverständlich durch eine Werkschau der
Alt- und Neuvorderen, ohne bemüht zu klingen. Retro ist immer up to date irgendwie. Was bei
Klamotten indes peinlich werden kann, wirkt hier groß und wichtig. Darum ist diese Platte
keinesfalls zuviel. Halbwertzeit? AC/DC, die Stones und Iggy spielen immer noch. Jet sind so jung
wie ihre Helden zur zitierten Zeit. Kann was werden, der Schritt vor die Tür ist geglückt.
