Is this the way it is?

The Strokes veröffentlichen Room On Fire und orientieren sich an sich selbst.

von Klaus Esterluß

The Strokes - Room On Fire The Strokes - Room On Fire
Label:RCA Records
VÖ:20. Oktober 2003

Diesmal ist kein nackter Frauenhintern auf dem Cover. Ein Gemälde in Öl auf Holz ist es jetzt. War/Game von Peter Phillips aus dem Jahr 1961. Noch weit vor Iggy & den Stooges, auch noch weit vor Velvet Underground und Andy Warhols groß werden entstanden und damit eigentlich kaum die Zeit, an der sich die Strokes wieder bedienen. Die Jahre, in denen Punk erfunden wurde und Glamrock schick war. Die 70er sind die Dekade, an der sich die Band schadlos hält. Aber ein Bild ist das Coverbild gewissermaßen doch. War/Game, das Spiel Musikgeschäft wird mit der zweiten Platte zum Krieg. Der Autor möchte mal mutig sein und behaupten. Einfach ist es nicht, wenn man beim ersten Album, sehr jung, zur Überband ausgerufen wird. The Next Big Thing - eine Bezeichnung für viele andere Bands neben den Strokes - schmeckt dagegen muffig nach Standard. Was tut man als Band mit Atlas' Last auf den Schultern? Man entwickelt sich nur marginal weiter, kloppt auf die Drums wie damals, vor zwei Jahren auf Is This It, lässt Julian Casablancas wieder durch einen Blecheimer singen und macht die Saiteninstrumente zu einem rudimentären Abbild ihrer selbst. Alles ist wenig, weniger ist mehr. Wie damals. Klingt dramatischer als es ist, aber zwei Jahre sind vergangen seit der losgetretenen Revolution. New York Punk, Neo Punk, Progressiv Rock - wie auch immer man nennt, was die machen.

Es gibt wenige Rezensionen, bei denen man persönlich werden muss. Hier muss ich. Das noch etwas Neues von den Strokes kommen würde lag jenseits meiner Gedankenwelt. Bis vor einigen Wochen die ersten Artikel gestreut wurden und Ankündigungen auftauchten. Was? Ein neues Album? War der erste Gedanke, und dann kam die Angst: Was, wenn es schlecht wird? Will ich es hören? Die Welle ist doch nun vorbei und hat viele Bands gesehen. Den Black Rebel Motorcycle Club zum Beispiel und dessen zweite Veröffentlichung war so gar nicht brauchbar. Oder die Vines oder Hives oder oder oder. Alle machten diese Musik und alle kommen nicht - oder nicht mehr - aus der Falle ihrer Vorschusslorbeeren. Die Strokes? Haben ihren Produzenten Nigel Godrich (Radiohead) gekickt und den von damals genommen. Gordon Raphael tat genau das Erwartete und Befürchtete. Casablancas Stimme in den Blecheimer und die Musik, wie oben beschrieben. Room On Fire - die Überband hat sich mit der neuen Veröffentlichung weder verraten noch getraut. Die Songs bleiben nach wie vor am Ende oben. Versöhnlich? Mitnichten. Gut so! Dreißig Minuten mit den üblichen Pausen zwischen den elf Stücken und der Spuk ist vorbei. Entsprechend der Erwartung, jenseits der Hoffnung.

Mit I wanna be forgotten and I don't wanna be reminded beginnt What Ever Happened, der Opener des Albums. Kein übliches Credo für eine Rockband, aber gerade deshalb wohl gut. Es bleibt dabei. Casablancas krakeelt, er zieht Worte in die Länge (Betonung heißt das und Abwechslung auch), die Gitarren nölen ähnlich. Wer will schon Soli? Between Love & Hatemacht auf Reggae. Den Song gab es auf der letzten Tour schon live. Der Rest ist cool. Quasi abgebrüht. Eine gute Platte, wird beim wiederholten Hören immer besser, aber das war bei Is This It auch schon so. I can't win ist das Finale, kein Vergleich zu Take it or leave it vom Vorgänger: Good try / We don't like it / Good try / We won't take that shit. Ich schon. Wir schon. Rock'n Roll is not dead yet.