Die Leichtigkeit der Stille
![]() |
Starsailor - Silence Is Easy | |
|---|---|---|
| Label: | EMI | |
| VÖ: | 15. September 2003 | |
Wenn der NME in England eine Band feiert, ist das nicht immer ein Indiz für wirkliches Herausragen. Außerdem dürfte
es eine nicht zu verachtende Last sein, als das Next Big Thing
bezeichnet zu werden. Als Starsailor Anfang 2000 in
einem Club in London spielten, erhielten sie kurz darauf entsprechendes Attribut verpasst. Ein NME-Redakteur schrieb einen
Artikel über die gänzlich unbekannte Band. Erste Single-Veröffentlichungen folgten.
Einige Zeit später, immer noch 2000, spielten Starsailor das erste Mal in Deutschland. Die Zeitschrift Rolling
Stone versuchte damals eine Konzertreihe auf die Beine zu stellen, die Rolling Stone Roadshow
, und eigentlich hätte
das ganze Unternehmen peinlich enden müssen. Coldplay, zu der Zeit auch noch ein frisch geschlüpftes und mit dem
Debütalbum gefeiertes Popwunder, waren für die Gigs der Roadshow in Deutschland verpflichtet worden. Chris Martin, Sänger
von Coldplay erkrankte jedoch kurzfristig. Den skeptisch beäugten Ersatz gaben Starsailor und sie rissen das Publikum mit
sich. Damals war man nicht ganz 20 Jahre alt.
Die erste Platte kam erst nach diesen Auftritten, hieß Love is here
und war beachtlich. Alcoholic
hieß der wohl beste Song. Er wurde im Radio gespielt und machte populär. Dann wurde es zwei Jahre still. Silence Is
Easy
liegt dafür jetzt in den Läden.
Eine erstaunliche Platte. Beinahe luftig und spätsommersonnig, wenn man das so sagen darf. Im Vergleich zum Erstling ein aufgeräumtes Album. Weniger düster. Phil Spector (genau der) hat zwei Songs produziert. Die Band durfte dafür in die Abbey Road Studios (Beatles!). Schöne Lieder. Er wollte immer berühmt werden, sagt James Walsh, Sänger der Band. Hervorragend, wenn das so schnell geht, geplant war nur das Ziel. Nicht der Zeitpunkt.
Walshs Stimme erinnert noch immer sehr an Jeff Buckley. Vibrierend, brüchig und hoch. If we get it wrong,
they'll feed us to the sharks
singt Walsh. Klar, so geht es jedem, der das zweite Album vergeigt. Passiert hier aber
nicht. Starsailor bleiben ihrer Linie treu. Das kann man einerseits als Stagnation bezeichnen, andererseits aber never
change a winning team nennen. Die Starsailor Songs sind groß. Keinesfalls stagnierend. Gut, Walsh miemt ein-, zweimal zu
oft die geschundene Seele, My wandering soul found solace at last
heißt es.
Silence Is Easy
geht flüssig unter die Haut. Ein starkes, solides Album einer ebensolchen Band. Sie wollen
Rockstars sein. Popkönner sind sie. Schneller als man dachte. Wer hier Travis schreit, liegt falsch. Jene verlieren sich
langsam in Stereotypie. Starsailor nicht.
