In die Schüsseln gesehen

von Jürgen Wutschke

Klaus E. Müller - Nektar und Ambrosia Klaus E. Müller - Nektar und Ambrosia
Verlag:Beck-Verlag 2003

In 12 kleinen Kapiteln umreißt der Frankfurter Ethnologe Müller eine kurze Kulturgeschichte des Essens und Trinkens. Dabei beschreibt er kurzweilig gebräuchliche Tischmanieren in verschiedenen Kulturen und zeigt, dass Speisen ein seit frühester Zeit ritualisierter Akt anthropologischer Sozialisation ist, der innerhalb bestimmter Kulturen oder Perioden ein starrer, entwicklungsgeschichtlich aber ein sehr dynamischer Prozess ist, innerhalb dessen die Verpflegung nicht immer an erster Stelle, sondern scheinbar vielmehr nur ein Nebenprodukt dieses Kommunikationsaktes war. So ist der moderne Esser - selbst wenn er bei McDonald vorfährt - gefangen in den Traditionen seines Kulturkreises. Man mag daran denken, wenn man meint, Geist und Habitus können emigrieren, der Magen kann es nicht.

Müllers Büchlein legt sein Augenmerk leider aber zu sehr auf die Extreme menschlicher Ernährung - auf die Ausreißer in der Kulturgeschichte und vernachlässigt so ein wenig den tieferen Blick auf den eurozentrischen Raum.