Pop against Popkultur

Phillip Boa gibt sich altersweise

Ein Interview von Klaus Esterluß

Das Ambiente, indem dieses Interview stattfindet, passt nicht auf das Bild eines Popstars. Sieht aus, als wäre die Zeit hier vor 50 Jahren stehengeblieben sagt Boa. Er kennt das Hotel schon. Der Stuck an der Decke ist erstaunlich und die grünen Ohrensessel bequem. Boa spricht über das Popstardasein und denkt an die gute alte Zeit, als Menschen noch wussten, was Kassetten sind. Pop ist fast tot dieser Tage, aber alles ist noch nicht verloren. Das neue Album C90 wird Pop vielleicht nicht reanimieren, am Leben erhalten schon.

Foto: Phillip Boa

Warum nennst du dein neues Album C90? Warum eine Hommage an die Kassette?

Du hast es ja schon selbst beantwortet, es ist eine Hommage an die Kassette. Das Vinyl ist durch eine Konterrevolution oder die Solidarität der Vinylfans erhalten geblieben, aber die Kassette klingt langsam aus. Über eine Kassette macht sich kein Mensch Gedanken. Bald wird es keine Kassetten mehr geben. Sony macht jetzt schon keine mehr.

Es passt aber auch einfach. Wir haben gearbeitet wie früher, mit fünf verschiedenen Mixern, und ich habe liebevoll so die besten Sachen von denen zusammengestellt und eine CD daraus gemacht. Wie ich auch immer noch meine Mixkassetten zusammenstelle.

Das ist eine sterbende Kultur: aus CDs oder welchen Quellen auch immer Kassetten zu kombiniere, fast schon zu komponieren. Das ist wirklich schade.

Ich gehe sehr optimistisch auch davon aus, dass mein Album in zwanzig Jahren noch in irgendeiner Form, DVD oder Best of, erscheinen wird, und dann ist C90 etwas, das kein Mensch mehr versteht. Dann lesen die C90 und fragen sich, was das sein soll, und beschäftigen sich damit. Das ist jetzt etwas romantisierend.

Ich muss zugeben, dass ich auch einige Schwierigkeiten damit hatte, ein funktionierendes Tapedeck zu finden.

Aber du hast doch da eins?

Nein, das ist ein MD. Die neue Kassette vielleicht.

MiniDisc war immer schon ein Flop. Haben nur Journalisten. [Lachen]

Cover: C90

Ich habe den Eindruck, dass dieses neue Album ruhiger und gesetzter ist, als das Vorgängeralbum The Red, das wesentlich härter und experimenteller war. Ist deine Stimmung jetzt eine gänzlich andere, als sie es vor zwei Jahren war, oder ist es nur eine Entwicklung?

Meine Stimmung ändert sich von Jahr zu Jahr. Ich hoffe, dass ich immer noch dieselben Prinzipien und Ideale habe. Aber ansonsten ändert sich die Welt um mich herum, und so ändert sich auch meine Musik. Ich musste das letzte Album machen, es war sehr radikal, hat mir aber einen Aspekt zurückgebracht, der zum Teil verloren war. Das war eine Befreiung, ein Befreiungsschlag.

Das Album (C90 - d.A.) ist sehr natürlich entstanden, wie die alten Alben. Die fünf Producer haben, wie schon gesagt, die Platte sehr liebevoll zuende gebracht.

In einem anderen Interview hast du gesagt, dass sich The Red nicht über alle Maßen verkauft hat. Ist die Art, in der das neue Album produziert ist, ein Schritt in die Richtung, wieder mehr Platten zu verkaufen?

Ach, das hat damit überhaupt nichts zu tun. Ich glaube, wenn ich nur Musik machen würde, um Platten zu verkaufen, dann müsste ich das anders machen. Dann müsste ich andere Musik machen. Denn wie man sich heutzutage prostituieren muss, und wie viel Geld man ausgeben muss, um Playlists zu bekommen, im Fernsehen usw ... da möchte ich einfach nicht mitmachen.

Was ist für Dich bei einem Song wichtiger: Ist es die Musik, die Melodie, oder ist es der Text?

Das ist alles, das Gesamte. Der Song ist eigentlich die Verbindung von Komposition und Text und Soundtrack, das Gesamte, das Ganze. Und deswegen wird ein Song auch niemals alt sein, oder dass man denkt, den gibt's schon, weil die Kombination von verschiedenen Stilelementen und Akkorden und Text und Atmosphäre, da gibt es schon noch hunderte Jahre Potential. Ein Song ist ja immer ein Stück Lebensgeschichte. So sehe ich das. Von den einzelnen Menschen, Menschen, die das dann veröffentlichen. Wenn er gut ist, wenn überhaupt ein Song nur ein bisschen ernst gemeint ist und nicht nur ein Produkt.

Was für ein Talent muss man haben, um einen guten Song zu schreiben?

Das ist eine gute Frage. Ich habe viele Musikerkollegen, die spielen besser, viel besser Instrumente als ich, können aber meiner Meinung nach, und oft auch ihrer eigenen Meinung nach, keinen einzigen Song schreiben. Und das kann ich nicht verstehen. Ich konnte das immer schon. Vielleicht weil ich als Musiker nicht so ausgebildet war. Ich hatte immer schon eine Menge Phantasie, konnte alles ein bisschen spielen ... Ich habe mit dem Songschreiben nie ein Problem gehabt.

Wenn du sagst, du kannst alles ein bisschen spielen, machst du die Songs gänzlich allein, schreibst du die Texte allein, die Melodien, oder lässt du einen Einfluss der Bandmitglieder zu? Oder der Producer?

Die fünf externen Producer haben keinen Einfluss auf das Songwriting. Die Texte schreibe ich immer ganz allein; Ich schreibe so, dass ich immer alte und neue Texte mit mir herum trage und die dann später auf die angelegte Komposition und die Atmosphäre des Songs übertrage. Zum Beispiel das Lied It's not Punk anymore / It's now New Wave: Der Text ist aus meiner Jugendzeit, da war ich 15 oder so und spielte in London. Die Komposition und der Soundtrack sind neu. Das passte halt. So arbeite ich. Der Soundtrack muss stimmen, und dementsprechend passe ich dann den Text dem Soundtrack an. Ich glaube, dass der Text gut repräsentiert wird durch den Soundtrack.

Foto: Pia Lund

Bei C90 arbeitest du wieder mit Pia Lund zusammen, die nun drei Alben lang nicht dabei war. Lord Garbage (1997) kam gänzlich ohne Frauenstimme aus und war quasi ein Soloalbum. Die letzten beiden - My Private War (1999) und The Red (2001) - hat Alison Galea von den Beangrowers besungen, der Voodooclub war auch wieder dabei, und nun kehrst du zum Urzustand zurück. Warum?

Ich habe irgendwie über die Jahre irgendwann ihre Stimme vermisst. Es gibt so Songs wie Slipstream, die kann nur sie so singen.

Das ging auch vielen Fans so, glaube ich. Ich kenne einige Leute, die das neue Album kaufen werden, weil Pia wieder dabei ist.

Ich hoffe es. [Lachen] Und wenn nicht, Pech gehabt.

Du hast auf der neuen Platte einen Song namens I'm an ex-1/2 popstar. Was ist ein halber Popstar?

Ich bin ein solcher.

Aber wenn du schreibst Ich bin ein ex-halber Popstar, bist du jetzt ein ganzer?

Oh! Das ist ja schon ... Was ist das denn für eine Mathematik? [Lachen] Darüber habe ich ja überhaupt noch nicht nachgedacht.

Eigentlich ist das Lied nicht mal ironisch. Ich habe mich nie als ganzer Popstar gefühlt, allenfalls als halber. Selbst das bin ich nicht mehr. Eigentlich bin ich nicht mal mehr ein halber Popstar. Ich bin ein ex-halber Popstar, das heißt, ich verwalte nur noch meinen Ruhm. Ich strenge mich ja nicht mehr an, bei dem was ich tue. Damit meine ich nicht das Schreiben der Songs, das Mixen und Produzieren, sondern die weiteren Schritte. Ich mache zum Beispiel keine exzessiv lange Tour, ich toure nicht mehr im Ausland, ich mache kein Marketing, ich mache keine Werbung, kaum Interviews (wenn, dann nur Presse), gehe nicht in Radiosendungen, gehe nicht in Talkshows. Das muss man heutzutage - selbst, um nur ein halber Popstar zu werden. D. h., ich genieße irgendwo schon meinen Status, das hört man auch bei dem Album, ein gewisses Selbstbewusstsein ist zurückgekehrt. Das Lied ist über mich.

Ein Zitat von dir lautet wie folgt: Ich bin letztlich ein Songschreiber, ein Erzähler aus meiner eigenen verschrobenen Welt. Eine Art gesünderer Mark E. Smith. Glücklich isoliert. Ist dieser Mark E. Smith der Gründer von The Fall? Was verbindet dich mit ihm?

Da gibt es gewisse Parallelen. Außer der Tatsache, dass ich ihn mal getroffen habe. Er erzählt sehr merkwürdige Texte, und diese Texte sind für ihn sehr wichtig. Er erneuert dauernd die Mitglieder der Band, er ist ein kleiner Diktator, und seine Texte sind wunderbar zynisch. Er glaubt keiner politischen Seite, genau wie ich, und ich sehe die Heuchlerei in allen politischen Lebensbereichen, sowohl links als auch rechts. Ich glaube irgendwie keiner. Meine Philosophie ist nicht nihilistisch, aber schon auf Misstrauen beruhend. Das ist das, was ich im Leben gelernt habe. Bei jedem Menschen, jedem Spruch, in jeder Situation siehst du den Vorhang, und in der Regel glauben die Menschen dem Vorhang. Was ich gelernt habe, ist, dass hinter dem Vorhang etwas, das ganz anders sein könnte, ist. Und Mark E. Smith: ich habe das gesagt, weil er einen heftigeren Lebenswandel geführt hat als ich, darum bin ich gesünder. Das ist natürlich ein bisschen beleidigend ihm gegenüber, auf der anderen Seite habe ich ihn zitiert, weil ich ihn auch schätze. In England wird er auch hoch geschätzt und hier eigentlich nur noch von Hardcore Fans.

Ist dieses Nicht-Glauben an Politik, Gesellschaft ...

An alles. Zunächst einmal alles in Frage stellen und bezweifeln. Das aber nicht von einer Perspektive, die verbittert ist ...

... der Grund, warum du nach Malta gegangen bist?

Nein. Das mit Malta wird überbewertet. Mir hats in Malta gefallen. Aber die Tatsache, warum ich letztlich da bin, ist ja unter anderem auch, dass da ein Studio ist, wo ich sehr gerne arbeite und wo eine Vertrauensperson von mir sitzt, David Weller, der mir hilft, und dort auch sehr viele junge Leute und Musiker rumhängen, die er produziert, oder die wir zum Teil auch benutzt haben. Und das ist der Grund. Nicht etwa ein Exil ...

Da gibt es Stellen, die sind so überbevölkert und auch jung, lebendig und krank, dass nur ein langweiliger Mensch es langweilig finden kann. Langeweile kommt aus dir selbst. Ich habe da schon einen Song drüber geschrieben - When I'm bored. Menschen, die sich langweilen, egal wo, die haben ein Problem mit sich selbst.

Das ist eine These, die ich durchaus unterstützen kann.

Wenn du dich wirklich zu Tode langweilst, dann ist das dein Problem. Dann nimm dir ein Buch, nimm dir eine CD, mach irgendwas. Du kannst Berlin langweilig finden, oder Dortmund, oder Malta, oder irgendwo ein Paradies ... Auf den Malediven würde ich es zum Beispiel tödlich langweilig finden. Aber auch aus dieser Situation würde ich nie sagen: Ich langweile mich auf den Malediven, sondern: Ich bin hier. Ich habe jetzt trotzdem Spaß, nehme mir ein Buch oder denke nach und langweile mich garantiert nicht.

Foto: Phillip Boa

Kannst du ohne Musik leben?

Das ist eine gute Frage. Ich glaube nicht. Gott sei dank ist es eine hypothetische Frage. Ich kann ja auch Musik hören ...

Stimmt, aber könntest du auch ohne 'Musik machen' leben?

Ja. Ich denke schon ...

Würde dir dann nicht irgendetwas wichtiges fehlen?

Tja ... [grübelt] Weißt du, wenn man sich selbst nachgewiesen hat, dass man nichts mehr zu sagen hat, oder dass man seinen Zenit überschritten hat, dann könnte man damit aufhören. Wenn man dann weiß, man hat eine Menge geschafft, aber jetzt ist auch gut.

In zwei Jahren gibt es euch als Band 20 Jahre. Ich habe etwas von einem Best of gelesen, das dann kommen soll?

Es kommt eine Best-of raus aus der Zeit bei BMG. (Ich bin ja jetzt auf einem Label, das heißt RCA, und das gehört der BMG) Die Best-of wird aus den drei Alben der BMG Zeit, plus B-Seiten, plus mindestens 20 Songs bestehen, die bisher nicht veröffentlicht worden sind. In der Zeit haben wir unheimlich viel produziert, was verworfen worden ist. Zum Beispiel gab es ein Lied namens C90, das war am Anfang da. Das ist auch verworfen worden.

Warum?

Manchmal passt es nicht rein. Und manchmal ist das Lied nicht gut genug. Aber es gibt einfach Lieder, die passen nicht auf ein Album, weil sie stilistisch zu weit von dem Rest weg sind.

Ich würde gern deine Meinung zur Zukunft der Alternativ- und Popmusik in diesem Land hören. Weil ich es augenblicklich beinahe erschreckend finde, was passiert. Im Hinblick auf die überall stattfindenden Castingshows usw. Ich kann mir nur schwerlich vorstellen, dass in zehn Jahren Musik noch wirklich funktioniert.

Es müsste noch extremer diesen MTV und Viva und Superstar und RTL-gesponsorten Pop geben, früher habe ich ihn immer Euter-Pop genannt. Warum, hab ich vergessen. Dann würde, glaube ich, wirklich wieder eine Generation entstehen, die Musik liebt. Denn das ist ja das Problem. Dadurch, dass die Werbeindustrie im Prinzip bestimmt, was gespielt wird in diesem Land, hat die Musikindustrie eine Generation herangezogen, für die Musik nur noch so ein Nebenbei-Effekt ist. Fahrstuhlmusik oder so. Und die kaufen natürlich nicht wirklich was. Die kaufen vielleicht von einem Künstler mal eine Single oder vielleicht auch mal ein Album, aber im nächsten Jahr haben sie den schon wieder vergessen. Und das heißt, alles ist sehr kurzfristig, und das ist auch der Grund dafür, dass die Plattenindustrie keine Verkäufe mehr hat.

Wenn jetzt aber noch mehr davon kommt, es also quasi eine Überproduktion gibt, wie soll das den Endeffekt haben, dass Musik wieder geliebt wird?

Das ist ja auch nur eine Hoffnung, ja? Weil es immer Contrabewegungen gab. Es gab den Punk, zum Beispiel, die Hippiekultur, Leute wie John Lennon, die geholfen haben, den Vietnamkrieg zu beenden. Die Generation heute ist so oberflächlich. Selbst der Protest gegen den Krieg ist eigentlich nur, weil sie schulfrei haben wollen, und sie denken auch gar nicht über alle Seiten dieses Krieges nach, über Gründe. Das sind immer nur Plattitüden. Die wollen ja auch nur durch Plattitüden beherrscht werden. [Lachen] Es ist eine Hoffnung. Irgendwann ist die Musik tot, und dann muss eine neue geboren werden. Ich sehe das nicht so negativ wie du. Guck mal, es gibt immer wieder Bands, die Top Ten gehen, und diese Leute outsidern ja diese ganze schlechte Musik dadurch, dass auch viele Fans, junge, die nachwachsen (warum auch immer), plötzlich wieder einen guten Musikgeschmack haben. Ich glaube, dass sich das eventuell intensivieren wird.

Ich komme auf dich zurück, wenn es wieder soweit ist ...

Ich unterschreibe das ja, was du sagst ...

... vor zwei Jahren war ich sehr glücklich, als die Velvet Underground und Stooges-Retrowelle eingesetzt hat, als die Strokes kamen und als die Libertines kamen, der Black Rebel Motorcycle Club - alles geniale Bands ...

... gibt's doch immer noch. Das ist doch noch nicht mal zwei Jahre her. The White Stripes, Interpol, Radio 4 ...

... die habe ich vor Kurzem interviewt, eine wirklich tolle Band.

Die finde ich auch gut. Sag mal, die sind doch schon ein bisschen älter, kann das sein?

Deren erstes Album ist inzwischen auch drei oder vier Jahre her, glaube ich ...

... die haben ähnliche Vorbilder wie ich. Gang of Four oder Clash oder so.

Bei den Strokes habe ich ein bisschen das Problem, dass ich fürchte, nach dem ersten Album kommt nichts mehr ...

Das kann ich nicht bestätigen. Die lassen sich Zeit für die zweite, und das ist auch richtig so. Ich glaube, dass die Strokes auf jeden Fall noch ein paar Jahre überleben werden. Wir haben sogar einen Song nachgespielt, New York City Cops. Wir haben uns die Platte zusammen durchgehört, uns ein Stück rausgesucht, und ich habe festgestellt, dass es gute Kompositionen sind. Und das ist eigentlich der Beweis dafür, dass eine Band Talent hat. Die werden es überleben.

Wenn wir gerade bei Cover-Songs sind. Auf der Fine Art on Silver ist Starman drauf, ein Bowie-Cover ...

Immer noch? Nee. Habe ich runternehmen lassen. Starman ist nur noch auf der aktuellen DVD drauf, auf der CD nicht mehr.

Was mich auch etwas gestört hat: dass nur die Westbam-Version von This is Michael auf der Fine Art on Silver ...

Moment, da ist das Original drauf ...

Nicht auf meiner Version ...

Gut, heutzutage. Aber das waren auch Fehler. Auch die falsche Kill Your Ideals-Version war drauf. Ich hatte damals keine Zeit, mich darum zu kümmern, und die Plattenfirma hats einfach so gemacht. Genau die Punkte, die du gesagt hast, sind jetzt geändert worden.

Ich wollte ja eigentlich auch aufs Covern hinaus. Ich habe, als Starman veröffentlich wurde, gehört, es wäre dein überhaupt erstes Cover gewesen ...

Stimmt nicht. Es gab eine limitierte Vinyl, ist sehr lange zurück, die enthielt Solid Gold Easy Action von T-Rex und dann, die gibt es immer noch, I'm waiting for my man von Velvet Underground, der ist auf der Hair als Bonustrack. Dann New York City Cops, das haben wir aber nie auf Platte veröffentlicht ...

... auf den Eugene-Singles waren aber noch First we take Manhatten von Cohen ...

Richtig, das hatte ich vergessen ...

... und Enjoy the Silence von Depeche Mode drauf ...

... ups ... Das hätten wir überhaupt sein lassen sollen. [Lachen]

Weshalb?

Die hatte nichts Geniales. Man kann noch so genial sein wollen, das geht aber meistens in die Hose. Die First we take Manhattan-Version war auch nicht gerade genial, aber die war irgendwie okay.

Dann erübrigt sich fast meine Frage, nach welchen Kriterien ihr Songs aussucht, die sich zu covern lohnen ...

Das war Spaß, Spaß bei den Proben. Man will nicht immer dieselben Lieder spielen, und dann übt man eine Cover-Version ein. Für ein Weihnachtskonzert oder so. Da sind die entstanden. Alle drei. Die sind alle für diese Weihnachtskonzerte in der Moritzbastei (Leipzig, d. A.) entstanden.

Was ist das besondere an diesen Konzerten?

Der Raum ist ja klein. Wir spielen da meistens zwei Konzerte. Da gehen nur 400 Leute rein, und die Leute sind sehr nah dran. Das sind nur Hardcore-Fans. Das Ganze ist sehr viel Spaß, nicht der übliche Tourdruck. Wenn man groß auf einem Festival spielt, steht man schon unter Druck, auch unter Konkurrenzdruck, man muss halt gut sein und die Songs gut spielen. Das ist da alles nicht, es ist sehr intim, familiär und hat schon eine Tradition dadurch, dass wir das schon dreimal gemacht haben. Ich weiß nicht, ob wir es dieses Jahr spielen, vielleicht machen wir ein Weihnachtskonzert in Bielefeld und vielleicht dann noch eins in der Moritzbastei.

Ich habe von euch jetzt, glaube ich, fünf Konzerte gesehen. Mein erstes Konzert war vor Jahren im Huxleys (in Berlin), und dort spielt ihr dieses Jahr wieder. Ist es das gleiche Huxleys?

Ich habe gehört, dass es dasselbe ist. Was ich super fand ...

... ich auch. Dieses Konzert war eines der besten meines Lebens. Der Boden hat vibriert ...

Das ist hoffentlich immer noch so. Aber es ist renoviert worden. Ich habe die kommende Tour so liebevoll zusammengestellt, mit dem Agenten, dass sind alles Läden, die wir schon gespielt haben, plus eins in Offenbach, das ist ein riesiges altes, wunderschönes Theater. Das ist eine Tour ... wie soll ich das sagen? Da freue ich mich drauf.

Jedes Konzert, das ich gesehen habe, hat mit Kill Your Ideals aufgehört. Warum spielst du den Song immer noch so oft?

Du wirst lachen: seit drei Festivals spielen wir Kill Your Ideals als erstes Lied. Aber ob wir das auf Tour beibehalten, weiß ich noch nicht. Irgendwie hat dieses Lied ja auch Tradition. Ich liebe Traditionen. Ich mag Sachen, wie: mein Leben lang im Ruhrgebiet immer nur in Bochum in der Zeche zu spielen, obwohl der Laden eigentlich ein bisschen zu klein ist. Aber er ist halt immer voll, und die Leute gehen, glaube ich, immer da raus und sind glücklich.

Dann freue ich mich auch die Tour und danke dir für das Interview.