Der Bart ist ab
Eels bauen ein Album, das weniger depressiv ist als früher, aber auch weniger gut
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Eels - Shootenanny | |
|---|---|---|
| Label: | Dreamworks | |
| VÖ: | 02.06.2003 | |
Wer E, den Kopf und Songwriter hinter Eels, noch vor Zweijahresfrist zu Gesicht bekam konnte meinen, er habe einen
Waldschrat gesehen. Ein Bart wucherte im Gesicht des nicht besonders großen Mannes und machte ihn zwar auffällig, lies
ihn aber ausgesprochen verschroben wirken. Er meint, es habe ihn Sexappeal verliehen. Und die Frauen hätten auch drauf
gestanden
. Der Sicherheitsdienst an diversen Flughäfen aber nicht. Weil E in diesem Zustand ein bisschen wie ein
Terrorist aussah und das in Zeiten kurz nach dem 11.September 2001 keineswegs populär war, blieb nichts anderes, als den
Bart abzunehmen.
Eine neue Gesichtsfrisur bringt beinahe folglich ein neues Album. Shootenanny
heißt die Platte und entlehnt
den Albumtitel einem Begriff für Schützenfest (hootenanny
). Ich glaube, dass es in der Waffenkultur USA
irgendein cooles Mtv-styled street word für 'Schützenfest' braucht, um das zu beschreiben, was passiert, wenn wieder
irgendein Kid in einer Highschool wahllos Menschen erschießt. It's some sort of a social commentary, I guess.
sagt E,
auf den Titel angesprochen.
Ganz klar wird die Begriffswahl beim hören des Albums nicht. Geht es doch nicht zwingend um eine Sozialkritik, sondern um das normale menschliche Einerlei.
Everybody knows, these are rock hard times, I gotta make it through
, schreibt E in Rock Hard Times
.
Hat er auch recht mit, aber geht das nicht auch metaphorischer?
Man mag sich kaum die schwer verdaulichen, weil herzzerfetzenden Songs der ersten Alben (Beautiful Freak
,
Electro-Shok Blues
) zurückwünschen, aber die waren brillant. Auch das letzte Album Souljacker
, schon gut
gelaunter und mit ungeheurem Drive versehen, ist kraftvoller.
Shootenanny
ist kein schlechtes Album, auch wenn dieser Eindruck hier entstehen mag. Die Messlatte für
Eels-Veröffentlichungen liegt nur sehr hoch. Da hilft es auch nicht, wenn E auf der neuen Platte wieder den Blues bemüht,
den er zweifellos einzusetzen vermag und der nicht ohne Wirkung bleibt. Dennoch ist Shootenanny
eine zu
normale
Veröffentlichung. Ohne große musikalische Experimente. Solide Handarbeit. Geschmackvoll. Aber zu glatt.
