Britpop - The Real Thing

Athlete machen Britpop glaubhaft

von Klaus Esterluß

Athlete - Vehicles and Animals Athlete - Vehicles and Animals
Label:Parlophone
VÖ:28.04.2003

Gäbe es den Begriff Britpop nicht schon und wäre er nicht durch Bands wie Oasis, Travis oder Blur vorgefärbt, mit Athlete hätte er seine wirkliche Bestimmung gefunden.

Vehicles and Animals ist ein wunderschönes, entspannt komponiertes Pop Album mit dezent vordergründiger Elektronik und einem unnachahmlichen Hang zu Refrains. Die gehen derart ins Ohr, dass man sie kaum wieder los wird. Will man auch nicht.

Als Athlete Ende des vergangenen Jahres in Berlin spielten, gab es gerade eine Single (You got the style) und die versprach viel. Gleiches tat die Band um Joel Potts aus dem Londoner Osten, als sie das Album nach der Show ankündigte. Zuviel versprochen hat das Quartett nicht.

Vehicles and Animals ist ihr Debütalbum und dafür erstaunlich reif. Die Produktion lässt keinen Grund zur Beanstandung, ironische, lebensnahe Texte treffen auf fluffige Synthies, einige kleine Aphex Twin Klanggebilde und bauen darauf Pop in Reinform.

and i need my vehicles and animals - and i will be alright - take me back to nineteen seventy nine so i can find my open eyes heißt es im Titeltrack und heißt nicht, dass früher alles besser war. Ganz sicher. Der Blick geht vorwärts.

Whereever you look you can see - Everybody wants to be part of the rock scene ist die Hauptaussage des Songs Westside, der leise mit dieser Zeile beginnt, um kurz darauf förmlich zu explodieren. Athlete sind nicht rock scene, sondern pop scene. Man kann es nicht oft genug hervorheben.

Vehicles and Animals als Sommerplatte zu bezeichnen würde dieser kaum gerecht werden. Dafür eignen sich andere mehr - das Athlete Debüt ist für das ganze Jahr brauchbar, je nach Stimmung finden sich Nuancen, die an anderen Tagen nicht zu finden wären. We should be laughing about it / Making the most of the true British climate sagt die oben erwähnte Single You got the style und auch wenn es auf der Insel manchmal gehörig regnet und die Wolken tief hängen, reißt Athlete immer ein kleines Loch für blauen Himmel in die sie umgebende Suppe. Das ist gut so.