Schlagbohrer-Pop

Interview mit Judith Holofernes (Stimme) und Pola Roy (Schlagzeug) von Wir sind Helden

Ein Interview von Klaus Esterluß

Wir sind Helden ist keine Berliner Band, sondern eine Band in Berlin, sagen sie. Stimmt auch, schließlich haben sie sich in Hamburg gegenseitig aufgelesen. Und Stadt ist auch nur halb entscheidend; wichtig ist, was im Endeffekt heraus kommt. Das kann sich bekanntlich hören lassen und so war das Interview in einem Kreuzberger Café über Attitüden, Videoästhetik, Helden und Daniel Küblböck als BRAVO TV Moderator trotz Regen ausgesprochen erleuchtend.

Foto: Wir sind Helden

Ich habe euer Album gerade erst, vor fünf Minuten, bekommen. Darum erübrigt sich meine erste Frage schon wieder fast. Ich wollte von euch wissen, was man erwarten kann, wenn man das Album am 7. Juli im Laden kauft?

Judith: Wir selber kennen das Album auch erst seit einer Woche. Es ist sozusagen ganz frisch...

Aber ihr habt die Songs doch geschrieben?

Judith: Ja, natürlich. Aber man ist dann so drin - wir fangen jetzt erst an, es immer wieder zu hören. Und ich muss sagen, ich bin deswegen total glücklich damit, weil ich alles wieder erkenne. Es passiert ja manchmal, dass sich Sachen während der Aufnahme verändern, so dass man denkt, man hat es nicht richtig hinbekommen. Und ich denke jetzt aber: Ja, das sind gute Songs. Für mich ist das Album eine selbstverständliche Sache. Es sind die Lieder, die die Leute, die uns von Auftritten kennen, schon gehört haben. Es ist also nur ein ganz neuer Song dabei, die anderen sind Lieder, mit denen wir schon eine ganze Weile auftreten. Endlich mal auf Platte, was uns natürlich sehr freut und ich glaube, es ist relativ nah an dem ist, was man von uns kennt und erwartet. Was man vielleicht noch sagen könnte, ist, dass es sehr zitierfreudig ist, es zeigt also Seiten von uns, die vielleicht auch ein paar Leute überraschen werden. [Lachen]

Pola: Es sind Songs von der EP auch auf dem Album. Das war uns wichtig, weil wir damals einfach nicht das Geld hatten, um ein Album aufzunehmen. Die jetzt nicht auf Album zu nehmen wäre sehr schade gewesen. Insofern kann man das dann auch erwarten.

Also, ähnlich wie auf der EP und den Singles - zitierfreudig im Sinne von Nachdenken, dass man Dinge auch nach dem dritten Hören entdeckt, die beim ersten Mal gar nicht aufgefallen sind?

Judith: Ja, dass hoffentlich, aber auch musikalisch. Weil wir als ganze Band so eine Liebe zum musikalischen Zitieren haben. Wie diese 80er Jahre Einflüsse, die aber nur in manchen Liedern sind, haben wir gleichzeitig aber auch eine Liebe für kleine, komische Blueselemente, die aus dem Zusammenhang gerissen reingeschmissen werden, Frühneunziger Indierock Elemente... Alles, was wir so mögen, fließt ein, weil wir einfach einen sehr breiten Musikgeschmack haben.

Mich hat ein wenig überrascht, dass die Welt in einem Artikel über euch schrieb, dass der Song Guten Tag einem anderen französischem Stück von Plastique Bertrand entlehnt ist...

Judith: Na ja, das stimmt so nicht. Was aber stimmt ist, dass Ca plane pour moi (das Plastique Bertrand Stück - d.A.) etwas zitiert, was wir auch zitieren. Nämlich einen einfachen klassischen Rock'n'Roll Riff. Also, eigentlich ist der Song, von der ganzen Struktur her, original jeder Song von Chuck Berry, Original alle Songs von den Ramones. Nur das bei Ca plane pour moi ein Synthie eingesetzt wurde, um das zu machen. Genau wie bei uns. Wir haben dabei aber weniger an Ca plane pour moi gedacht, als viel mehr an diese klassischen Punkrock Stücke, die auf alten Bluesrock Skalen beruhen.

Pola: Wobei wir, ehrlich gesagt, überhaupt nicht daran gedacht haben. [Lachen] Es war so, das Jean, unser Keyboarder, die Musik dafür angebracht hat - der ist so eine Gebärmaschine und bringt immer gleich fünf Songs an, die er gemacht hat - wir haben den Song gehört und es war gleich geil und dann haben wir uns gesagt, den machen wir jetzt. Judith hat einen Text drüber geschrieben, dann haben wir es zusammen gewurschtelt und dann war der Song da.

Woher kommt die Inspiration für die Texte?

Judith: Überall her. Ich schreibe einfach über alles, was mich genug beschäftigt, dass es ein Lied werden muss. Und da sind natürlich viele Dinge, wie Guten Tag und Müssen nur wollen auf dieser Ebene von Beobachtungen, wo es mir wichtig ist, die mal anzusprechen, entstanden.

Und wie entstehen dann Zeilen wie Wir können alles, was zu eng ist mit dem Schlagbohrer weiten.? Ich finde das phantastisch, ist auch ein schönes Bild, aber welche Wege braucht es, bis so etwas entsteht? [Lachen]

Judith: Also, wenn ich schreibe, dann schreibe ich assoziativ in alle möglichen Richtungen und versuche dann auch das analytische Gehirn auszuschalten, um den Bildern hinterher zu schreiben, die ich sehe. Die Gewalt, die hinter der Textzeile steht - Ich versuche immer, nicht mit dem nahe liegensten Bild zu arbeiten, sondern finde Bilder immer dann viel greifbarer, wenn man etwas nimmt, womit die Leute nicht rechnen. Und etwas, dass zu eng ist, mit einem Schlagbohrer zu weiten ist ja unglaublich brutal, aber genauso empfinde ich es auch. Alles ist so leicht oder kommt einem leicht vor und wenn es dann doch mal schwerer geht, dann... weitet man es. [Lachen]

Also ist es auch ein Stückweit Gesellschaftskritik...

Judith: Ja, natürlich. Aber nicht in allen Liedern, weil ich, wie gesagt, über alles schreibe, was mich interessiert und da wäre es doch ein bisschen arm, wenn ich nur über solche Dinge schreiben würde. [Lachen]

Pola: Es sind aber auch ein paar Liebeslieder drauf...

Judith: Vier, oder?

Was haltet ihr von gecasteten Bands?

Pola: Ich finde, bei diesen Shows muss man differenzieren. Es gab zum Beispiel eine Show, die hieß Teenstar, bei der ging es darum, dass 13 oder 14 jährige alleine auf einer Bühne waren und irgendwas gesungen haben und dann von der Jury zerrissen wurden. Und wenn man selber auch nur annähernd Musik gemacht hat, weiß man, dass die nie wieder, auch wenn sie noch so begabt sind, auf eine Bühne gehen werden. Dann gibt es andere Veranstaltungen, wie Deutschland sucht den Superstar. Dazu habe ich persönlich keine Meinung. Die Leute müssen selber wissen, ob sie dahin gehen und das machen wollen. Wenn man natürlich eine Karriere als Musiker machen will ist das der völlig falsche Weg.

Judith: Das ist Musical. Ich habe das Gefühl, dass diese Castingshows eine größere Ähnlichkeit mit dieser Musicalwelt haben. Man wird Popstardarsteller. Darum habe ich mit denen auch kein allzu großes Mitleid. Und diese gecasteten Bands gab es in Wirklichkeit schon immer. Die Ronettes zum Beispiel waren auch gecastet (oder die Monkeys - d.A.), nur war das damals weniger offensichtlich und ich denke, dass die Leute das mit den heutigen Methoden schneller über haben werden. Vielleicht ist das dann für Bands wie uns eher von Vorteil.

Foto: Wir sind Helden

Ich bin sehr gespannt, wie schnell das Publikum diese Shows nicht mehr sehen will. In Kürze fangen immerhin fast alle Sender mit so etwas an. Aber wenn ihr seht, dass solche Leute wie Küblböck und wie sie alle heißen sofort auf Platz 1 in den Charts gehen, ist das für richtige Musiker deprimierend?

Judith: Ich habe dazu komischerweise eine sehr entspannte Meinung und finde das überhaupt nicht deprimierend. Man könnte zwar sagen, dass es denen sehr leicht gemacht wird usw. aber ich finde nichts an dieser Sache erstrebenswert. Weder das, was sie erreichen, also Platz 1 zu sein, noch den Weg dorthin. Also, ich finde es schon erstrebenswert Platz 1 zu sein, aber nicht durch diesen Weg.

Pola: Ich habe schon ein stückweit Mitgefühl, weil ich glaube, dass es ein enorm harter Fall wird, denn es ist die Natur der Sache, dass, wenn es so steil nach oben geht, es auch so wieder abwärts gehen wird.

Judith: Ein paar von denen werden vielleicht glückliche TV Moderatoren...

Pola: Ja, Daniel Küblböck kann ich mir gut bei Bravo TV vorstellen. Als eine Art Ilja Richter, ein Spaßvogel, der immer irgendwelche Shows moderiert und vielleicht auch mal was ernsthaftes macht. Warum nicht? Das ist einfache eine Sparte des Showgeschäfts, die sehr hart ist, da geht es um sehr viel Geld.

Judith: Man hat immer das Gefühl, es geht einen nichts an. Aber was dann schon doof ist, dass unheimlich viel Geld in diese Aktionen fließt. Denn das sind solche Cash Cows, bei denen die Plattenfirmen davon ausgehen, dass es funktioniert und da die Plattenindustrie immer ängstlicher wird, geht natürlich Geld in diese berechenbaren Sachen und normale Bands werden mit immer mehr Vorsicht behandelt, weil das kein kalkulierbares Risiko ist. Und das ist einfach schade.

Wen erreicht ihr mit eurer Musik? Was für Menschen hören euch?

Pola: Das ist schönerweise ganz unterschiedlich. Auf den letzten Konzerten, die wir hatten waren wir sehr glücklich, auch über das Publikum. Judith bekommt etliche Mails von älteren Menschen, na ja, was heißt älter? 50-jährigen aber dann auch von 10-jährigen.

Judith: Ich finde das super. Die meisten Leute, die uns hören sind schon so alt wie wir und könnten auch unser Freundeskreis sein. Und wenn ich die dann hüpfen und tanzen sehe - großartig. Es ist natürlich auch toll, wenn Leute zu dir kommen, mit denen du nie gerechnet hättest.

Man hört immer, eure Musik wäre 80er. Kann man das stehen lassen?

Pola: Nee. Würde ich nicht sagen. Es ist natürlich so, dass Guten Tag der ndw-igste Song ist, den wir so haben. Offensichtlich. Dazu stehen wir natürlich auch und das finden wir auch geil. Auf dem Album sind aber auch viele Songs, wo vielleicht noch Einflüsse sind, die aber auch ganz andere Einflüsse haben. Wir sind deshalb auch keine 80er Band...

Das wollte ich damit auch nicht gesagt haben, ich denke, dass ihr die Gedanken der Zeit damals in die Zeit heute übertragt. Ein Stichwort wäre vielleicht 'Punk Attitüde'...

Judith: Die Punk Attitüde ist ein wichtiger Punkt. Sich an dieser Zeit zu orientieren, ist für Musiker natürlich eine Freude. Weil das eine Zeit ist, zu der in der deutschen Popmusik einfach wahnsinnig tolle Sachen passiert sind und danach relativ lange nicht mehr. Das war eine Hochzeit, zu der sehr viel tolles Zeug passiert ist, das textverliebt, anarchistisch und lustig war. Der Plan zum Beispiel, oder auch Trio, die sich unverschämte Dinge getraut haben...

Pola: Aber das ist auch kein bewusster Prozess. Es hat uns sicherlich beeinflusst, wie es ganz viele Menschen in Berlin oder auch anderswo beeinflusst hat.

Was bedeutet Berlin für euch?

Pola: Jeder von uns wohnt mehr weniger in Berlin. Das macht uns zu einer Band in Berlin, alles findet hier statt...

Judith: ...aber eine richtig in Berlin verwurzelte Band können wir überhaupt nicht behaupten zu sein. Ich bin zwar, als einziges Bandmitglied, hier geboren, habe aber nicht immer hier gelebt.

Pola: Auch Hamburg ist eine große Stadt, dort haben wir uns getroffen, und die hat uns natürlich auch beeinflusst.

Ich wollte gar nicht auf die 'große Stadt' hinaus, sondern mehr auf die Besonderheiten. Gibt es in Berlin so etwas? Einen Berliner Flair, oder so...?

Judith: Eine Sache, die ich in Berlin schon sehr speziell finde und die vielleicht einen Einfluss hat - Ich finde Berlin sehr entspannt...

Ehrlich?

Judith: Ja, das finden viele Leute verblüffend. Aber ich finde Berlin gerade deshalb so entspannt, weil es so groß ist. Diese Anonymität hier kann einem am Anfang das Genick brechen. Wenn man aber mal seine Freunde gefunden hat und in seinen Stadtteil, seine kleine Stadt eingebettet ist, dann ist das sehr befreiend, weil man sehr lange sehr unbeobachtet vor sich hinwurschteln kann. Außerdem gibt es keine übermächtige Szene, die eine Richtung schon anbietet, wie in anderen Städten...

Es gibt Bands, möchte ich behaupten, die ähnlich klingen wie ihr. Ich habe vor kurzem das Debüt der Sounds bekommen, kennt ihr die?

Beide: Ja!

Pola: Ich kenne aber nur den einen Song...

Judith: Die kommen aus Schweden, oder?

Ja, aus Schweden. Tolles Album, tolle Band, wirklich phantastisch.

Judith: Geiles Gezeter! [Lachen]

...hat was von Blondie und ist sehr schön.

Judith: Das hat aber auch was von ... Kim Wilde. (Singt den Refrain von Kids in America) Ist ja auch ein deutliches Zitat...

...und bei euch gibt es auch Vergleiche mit, ich traue mich das gar nicht zu sagen, Mia...

Judith: Ach. Das macht doch jeder. [Lachen]

Pola: Also, ich finde das okay. Mia finden wir klasse. Die sind eine Hammer - Live Band. Wir haben sie ein paar Mal gesehen und haben auch schon zwei Konzerte mit denen gemacht, ist aber im Endeffekt doch was ganz anderes als wir. Einfach vom Ziel und vom Auftreten her. Viel aggressiver, wilder, punkiger. Mehr nach vorne. Deswegen ist der Vergleich erst mal da und auch logisch, die Stimmen sind beide Frauen, klingen irgendwie berlinerisch und haben 80er Jahre Einflüsse. Aber ich glaube, dass wir mit anderen deutschen Bands, wie z.B. den Sportfreunden Stiller viel mehr Ähnlichkeiten haben, als unbedingt mit Mia.

Die Entstehung ist doch auch eine andere, oder? Ich weiß es nicht sicher, aber Mia sind doch gemacht?

Pola: Also, ich glaube, da tut man ihnen unrecht. Weil Mia schon seit einiger Zeit eine Band ist...

Judith: ...die haben sich auf dem Weg schon sehr stark verändert. Aber das ist ja auch oft so, dass eine Band diese Wandlung immer schon wollte, es aber nicht hinbekommen hat.

Foto: Wir sind Helden

Kann man so ein Umkrempeln bei euch auch erwarten?

Pola: Hoffentlich. Hoffentlich werden wir uns verändern. Vielleicht auch mal drastisch, aber nie dadurch, dass uns jemand sagt: Ihr müsst euch jetzt verändern.

Judith: Das wäre bei uns aber auch nicht so tragisch, weil wir keine Styler - Band sind. Auch wenn wir unsere Kleidung komplett ändern würden, hätte das keine große Auswirkung. Wir sind schließlich doch eine Band, die sich über die Songs definiert. Die Songs würden vielleicht anders klingen, es sind aber doch die gleichen Stücke.

Pola: Es passiert Newcomern häufig, wenn sie an die falsche Plattenfirma geraten, die ihnen dann sagt, sie sollen anders klingen. Das geht dann aber auch meistens in die Hose, weil die Leute nicht so doof sind, wie in diesen Fällen gedacht wird. Man merkt, was authentisch ist und was gemacht wurde. In der Castingszene dagegen ist es völlig egal, ob Alex Take me tonight singt. Das soll gar nicht authentisch sein. Aber Bands hören sich die Leute an, weil sie eine Band und dieses Gefühl, das damit zusammenhängt wollen, dieses Ganggefühl.

Judith: Ich finde diese Vergleiche spannend. Du bist, glaube ich, der erste, der uns mit einer englischsprachigen Band vergleicht.

Ich fand das in diesem Zusammenhang nicht abwegig.

Pola: Ich müsste deren Album erst mal hören, weil ich halt nur die Single kenne. Die ist zwar nicht überoriginell...

...aber die hat so einen Drive. Man geht mit dem Song einfach mit. In einer Biografie liest man eine prozentuale Aufteilung eurer Musik in bestimmte Anteile Pop, Rock und Synthie. Ernst gemeint?

Pola: Wir haben das in unseren Musikcomputer eingegeben und der hat das dann ausgespuckt. [Lachen] Nein. Das war mehr so ein Gag...

Judith: Ich glaube auch wegen des Schubladendenkens. Wir haben uns damals irrsinnig schwer getan, eine Bezeichnung für unsere Musik zu finden und über diese Schwierigkeit sind wir dann auf den Gag gekommen, dass man es auf die Spitze treiben und mit Prozenten um sich schmeißen muss. [Lachen]

Pola: Wir wollten dann auch schon Tortendiagramme entwerfen... Aber inzwischen versuchen wir in unsere Definition noch Indierock mit rein zu bringen, weil es so zu eng ist.

Also den Schlagbohrer rausholen...

Pola: Genau. Schlagbohrer-Pop. [Lachen]

Wer hat die Ideen zu euren Videos?

Judith: Wir zusammen mit der Filmlounge. Beim ersten Video hatten wir noch null Euro, die wir dafür hätten ausgeben können, hatten aber das große Glück mit einer Filmfirma befreundet zu sein, die dabei waren eine Doku über uns zu drehen und dieses Video ist dann fast am gleichen Tag relativ spontan im Proberaum entstanden. Wir sagen denen, wie wir den Song sehen und die spinnen dann herum und wenn wir deren Idee gut finden, dann spinnen wir zusammen weiter.

Pola: Beim zweiten war es genauso. Die Idee kam von der Filmlounge und wir haben unseren Input gegeben. Bis hin zum Schnitt.

Ich habe das zweite Video leider erst einmal gesehen, fand das erste aber extrem witzig. Mit den Sprechblasen und Harald Schmidt... (im Video taucht eine Sprechblase auf, in der und ich so zu Harald Schmidt auftaucht. Kurz danach ist Judith bei Schmidt in der Show - d.A.)...

Beide: Ja, das war krass...

Judith: Vor allem war das ja vorher.

Pola: Das war eigentlich nur eine Spinnerei, wir haben uns die Sprechblasen ausgedacht und dann war es halt passiert...

Die unvermeidliche Frage: Wie ist er so, der Schmidt?

Judith: Ich habe ihn so viel nicht kennen gelernt. Aber als Mensch, den man nur kurz kennen lernt, war er extrem freundlich und sehr fokussiert. Auch extrem ernsthaft, ernsthafter als man denkt und fast bis zur Humorlosigkeit fokussiert, aber im positiven Sinne. Er war extrem gut vorbereitet und wusste sehr viel.

Kam euer Erfolg überraschend?

Pola: Von außen betrachtet, kannte man uns gar nicht, dann kam dieser Song und auf einmal waren wir da. Für uns war das aber über die drei Jahre hinweg ein kontinuierliches Ansteigen bis dann die EP veröffentlicht wurde, die an die Radiostationen kam und dort gespielt wurde, Mtv unser Video gespielt hat - alles noch ohne Plattenfirma...

Judith: ...kam es doch überraschend.

Pola: Es gab aber schon einen Vorlauf. Ich glaube, wenn wir nach nur zwei Monaten Existenz eine solche Entwicklung gehabt hätten, wäre alles für uns anders gewesen.

Kann man euch kommerziell nennen?

Judith: Das ist schwierig. Wir leben von der Musik, das wollen wir auch. Wir wollen nichts anderes machen müssen. Aber ganz ehrlich: Wenn man viel Geld verdienen möchte und, sagen wir, relativ sicher sein will, viel Geld zu verdienen, sucht man sich einen anderen Beruf. Bei diesem Geld und Ruhm - Ding kannst du das Geld im Normalfall ersatzlos streichen. Wenn eine Musikkarriere ziemlich gut läuft, verdienst du vielleicht soviel wie irgendjemand, der irgendeinen dieser mittelständischen Berufe hat. Für die Arbeit, die das kostet, also ehrlich: Blut, Schweiß und Tränen, könnte man in anderen Berufen sehr viel mehr Geld verdienen.

Pola: Als deutschsprachige Band bist du auch auf die deutschsprachigen Länder beschränkt. Soviel kannst du gar nicht verkaufen, um reich zu werden. Damit beschäftigen wir uns aber auch gar nicht. Wir haben weder ein Konzept, so schnell wie möglich reich zu werden, noch das so gut wie möglich zu vermeiden. [Lachen]

Judith: Wichtig ist nicht, wo man hingeht, was man macht, wessen man sich verschließt. Klar gibt es viele Dinge die wir nicht machen würden.

Englisch zu singen käme für euch ergo nicht in Frage?

Judith: Ich habe ein Herz für Übersetzungen. Ich habe auch immer schon Lieder übersetzt. Allerdings vom Englischen ins Deutsche. Ich mache das auch total gerne, deswegen würde ich nie sagen, dass wir das nicht machen würden, aber wir würden nie einen Song nur auf Englisch aufnehmen, damit er sich besser verkauft.

Ihr seid am 29.05. in der Maria am Ufer, wir sehen uns ganz sicher dort. Ich danke euch für das Interview.