E über das Leben

I don't care about superheroes.

Ein Interview von Klaus Esterluß

Wenn - ja wenn die Technik so würde, wie sie sollte, wenn man sie bräuchte, könnte alles so einfach sein. Ist es aber nicht, weil die Technik erfahrungsgemäß nicht das tut, wozu sie gebaut wurde. In diesem Fall ein Interview aufnehmen. Und so musste E, Kopf hinter der, wie er selbst sagt, One-Man-Band Eels, sein technisches Fachwissen unter Beweis stellen, verschiedene Regler schieben, Knöpfe drücken, um das Aufnahmegerät des Interviewers seiner Funktion zuzuführen. Let me see. Ah! This thing makes it stop and start... hmm... now it will stay on I think. Tat es tatsächlich und das Interview fand statt. Über das neue Album Shootenanny, Musiktheorie und Comichefte.

Foto: Eels

Wie wichtig ist Blues für dich?

Ich konnte mich mit der Idee hinter der Musikrichtung Blues immer identifizieren. Nicht unbedingt nur im musikalischen Sinne, sondern vor allem auch mit der Idee dahinter. Also das, wofür Blues steht und was man damit verbindet. Es geht darum, eine Geschichte zu erzählen und die in etwas zu packen, dass sich Leute anhören können.
Stimmt aber, auf diesem Album sind viele Songs, die Blues auch musikalisch verwenden. Es ist allerdings ein bisschen schwierig, den Blues jung und irgendwie frisch zu erhalten. Es sähe etwas komisch aus, wenn junge weiße Typen übers Baumwollpflücken singen würden... [lachen] Yeah. I always liked the Blues.

Wäre es theoretisch möglich, Songs mit dem Inhalt eines Blues-Songs auch in eine andere Musikrichtung zu übertragen? Jazz...

(grübelt) Ja. Das könnte möglich sein. Aber ich glaube, bis ich mal eine Jazz Platte mache, dauert es noch etliche Jahre. Wenn mir nichts anderes mehr einfällt, dann eventuell. [lachen]

Ich muss über den Titel deines neuen Albums sprechen. Der lautet Shootenanny - in den Infos, die ich vor dem Interview von deiner Plattenfirma bekommen habe, stand, dass sich der Titel vom Wort 'hootenanny' ableitet. Warum hast du dieses Wort neu, sagen wir... erfunden?

Ich glaube, dass es in der Waffenkultur USA irgendein cooles Mtv styled street word für Schützenfest braucht, um das zu beschreiben, was passiert, wenn wieder irgendein Kid in einer Highschool wahllos Menschen erschießt. It's some sort of a social commentary I guess.

Eels ist ein Projekt, um meine Songs zu transportieren.

Shootenanny ist für mich ein leichter zu fassendes Album als die Alben zuvor. Es ist eingängiger. Electro Shock Blues zum Beispiel hat mich sehr mitgenommen und berührt. In das neue kommt man leichter hinein...

Well, ich weiß nicht. Für mich sind diese Songs einfach nur Songs. Das Album einfach nur ein Album. Mein Job ist es, die Songs zu schreiben und deiner sie zu interpretieren. [Ganz glauben möchte man diese Aussage nicht. d.A.]

Im Begleittext zur Platte steht, dass du dich für alles verantwortlich zeichnest. Texte, Musik, Produktion...

Nein, nicht alles auf dieser Platte ist von mir. Es gibt auch Songs, bei denen einige aus der Band mitgearbeitet haben...

Genau das wollte ich fragen. Ist es einfacher, für alles verantwortlich zu sein und die Songs komplett selbst zu schreiben?

Es ist schon einfacher, Songs selbst und gänzlich allein zu schreiben. Das Problem ist einfach, dass es sehr anstrengend sein kann, mit vielen Leuten nach dem Motto zu arbeiten: Jetzt sitzen wir hier, haben unsere Gitarren und versuchen einen Song zu schreiben. [ironisch] Dann kann schließlich auch passieren, dass man mal sagt: Nein, das ist nichts... - Peoples feelings can be hurt. [lachen] Ich arbeite manchmal schon gern mit Leuten zusammen, schließlich kommt man so auch auf Ideen, die man allein wohl nie hätte.

Foto: Eels

Ist Eels für dich eine richtige Band?

Oh nein!

Also mehr ein One - Man - Project?

Ja, so was in der Art. Eels ist ein Projekt, um meine Songs zu transportieren, egal, in welche Richtung diese auch immer gehen würden. Ich wollte immer die Freiheit, das zu machen, wozu ich gerade Lust hatte. Wenn ich eine Gruppe finden würde, die in alle Richtungen offen wäre und eine ähnlich lebhafte Phantasie hätte... Ich fühle mich nicht besonders wohl mit dem Gedanken irgendwo festzustecken und die selbe Platte immer und immer wieder zu machen, nur weil das Konzept mal funktioniert hat.

Was hältst du von dem Phänomen der gecasteten Bands, das es zur Zeit überall gibt? In Amerika heißt es, glaube ich, American Idol...

Thats very entertaining. Ich schaue mir das gern an. Es ist witzig. Nicht besonders gehaltvoll. Aber die Menschen heute wollen immer das Neueste. Diese Typen haben einen Hit, dann kommt der nächste, der nächste Hit usw.

Ist das die Zukunft der Musik?

Nein, das ist nicht die Zukunft, it's the present. Leute wie Ray Charles z.B. würde es heute so nicht mehr geben. Er hat fünf Alben gemacht, bis er seinen ersten Hit hatte. Wenn eine Band bei ihrem ersten Versuch keinen Hit hat, lässt die Plattenfirma sie fallen. Das ist halt so...

Du hast Anfang der 90iger zwei Alben unter deinem Nickname 'E' veröffentlicht. Warum wurde daraus später Eels?

Naja. Wenn dein Name nur einen Buchstaben lang ist, bringt das einige Probleme mit sich. [lachen] Niemand kommt richtig damit klar: Kennst du diesen Song? Wer ist das? - E - Wer? - E! You see? Ein paar mehr Buchstaben im Namen zu haben macht die Sache wesentlich einfacher.

Welcher Typ Mensch hört Eels?

Ich möchte immer glauben, dass Eels eine Band für die ganze Familie ist. [lachen] Nein, ich kann keine besonderen Typen ausmachen. In jeder Stadt sind andere Menschen. Kein bestimmtes Alter, kein bestimmtes Geschlecht oder so. Natürlich gehe ich davon aus, dass Eels Hörer besonders gebildete und intelligente Menschen sind. Vielleicht betrüge ich mich damit etwas selbst... wer weiß? [lachen]

Du hast in den vergangenen Jahren einige Songs zu Filmsoundtracks beigesteuert. American Beauty z.B., der Grinch und tatsächlich auch in Scary Movie 2, ist das richtig?

Ja, dass ist wohl so, aber ich habe den gar nicht gesehen... [lachen]

Wenn dein Name nur einen Buchstaben lang ist, bringt das einige Probleme mit sich.

Schreibst du die Songs für Soundtracks speziell für die Filme, oder nimmt man einfach schon existierende Stücke?

Das kommt beides vor. Normalerweise, wenn mich jemand fragt, ob ich einen Song zu einem Film machen könnte, sind das meistens schon existierende. Das Problem mit Filmen ist, und darum möchte ich eigentlich nichts mehr damit zu tun haben, dass man vorher nie weiß, wie gut oder schlecht der Film wird. [lacht] Es gibt sicher Filme, die im Endeffekt großartig sind, aber nicht danach aussahen, als sie gedreht wurden. Unfortunately the opposite is more true. Meistens sieht man die Filme, für die man einen Song schreiben soll nicht vorher...

Ich habe von einem Projekt namens Levity gelesen, was ist das?

Das ist ein Film, der bisher noch nicht angelaufen ist, für den ich aber den Soundtrack gemacht habe. Ich bin nicht so sicher, wie gut der Film ankommen wird, aber ich bin mit der Musik dafür ganz zufrieden.

Du hast den ganzen Filmscore geschrieben?

Ich wollte das mal ausprobieren, wollte wissen, wie sich so ein Job anfühlt. Es war aber ein sehr schmerzhafter Prozess, weil ich tatenlos mit ansehen musste, wie sich der Film entwickelt hat. Es ist nicht mein Film, also konnte ich nichts tun, als zusehen, was damit passiert.

Magst du Comics?

Ich mag ein paar Comics. I don't care about superheroes. Aber ich mag einige Zeichner, ja.

Ich frage das, weil auf deiner Homepage ein Comicbild zu finden ist, dass dich zeigt und weil u.a. das Booklet von Electro Shock Blues viele Comicbilder hatte. Auch das folgende, Daisies of the Galaxy hatte ein gezeichnetes Artwork...

Es gibt einige amerikanische und kanadische Comickünstler, die wirklich großartig sind. Ein paar davon sind inzwischen gute Freunde geworden und ich habe mit denen mehr gemeinsam, als ich wohl mit allen Musikern, die ich kenne gemeinsam habe.

Sagt dir der Name Chester Brown was?

[lebhaft] Yeah! He's one of my friends. Er hat auch etwas zum Electro Shock Blues Artwork beigesteuert.

Er ist ein großartiger Zeichner. Ich habe seine Playboy Stories und Ed the happy Clown. Brillante Comichefte...

Die Playboy Stories sind wirklich gut. Einen anderen Künstler, den du dir wirklich ansehen solltest, ist Daniel Clowes. Hast du den Film Ghost World gesehen? Fabelhafter Film. Er basiert auf einem seiner Comics.

Wie tief bist du in die Entstehung des Artworks der Alben involviert?

Wenn man es anhand des gerade besprochenen sieht, natürlich sehr tief. Das Artwork für Shootenanny wird sehr einfach. Etwas, das mit der Musik zusammen passt. Das kann eine ziemliche Herausforderung sein, heraus zu bekommen, was Musik und Artwork zusammenführt.

Auf deiner Homepage gibt es eine Kolumne, 'Dear Uncle E', bei der Fragen von Lesern beantwortet werden. Bist das tatsächlich du, der dort antwortet?

Ja, das bin ich.

Die Fragen sind recht witzig und deine Antworten sind es auch.

That's Entertainment. Man schickt mir Fragen und ich beantworte sie. Das raubt mir einige Zeit, aber es macht Spaß. Die Fragen auf der Seite sind natürlich nur ein Bruchteil derer, die ankommen. Es dauert lange, bis sich eine Frage findet, die sich auch zu beantworten lohnt. [lachen]

Eine Frage noch, dann dürfen die nachfolgenden Interviewer; Weißt du schon, wann du auf Tour in Deutschland sein wirst?

Man hat mir das heute gesagt, ich hoffe, dass es auch offiziell ist:

Sieht so aus, als würden wir die Tour in Deutschland beginnen.

Ich danke dir für das Interview.